Alte Portale

Ein Beitrag über Portale? Ja, eine gute Idee, denn sie sind sehenswert. Alle hier gezeigten Türen fand ich in Hamburgs Altstadt und nächster Umgebung. Gibt man den Begriff ‚Portal‘ in eine Suchmaschine ein, dann landet man nicht auf Seiten, die den Sinn oder die Art von Eingangstüren erklären. Das war gestern, heute nutzt man das Wort für die Architektur von digitalen Plattformen, die Zugang zu Webseiten, Diensten oder Ressourcen aller Art im Internet ermöglichen. Das beste Beispiel ist die Suchmaschine, die ich gerade genutzt habe. 

In beiden Fällen, geht es um eine wichtige Sache, nämlich um den Eintritt zu einem Anbieter. Sei es der Onlineshop oder das Bürohaus in der Innenstadt. Beide brauchen Kunden und werden alles tun, um diese anzulocken. Der erste Eindruck ist oftmals entscheidend und deshalb ist das Portal wichtig. Die Hamburger Kaufleute wussten das und haben Wert auf große, einladende Eingangstüren gelegt. Aber bitte nicht protzig. Der Reichtum, der dahinter verwaltet wird, soll nicht ins Auge springen. Man muss genauer hinsehen, um die feinen Vergoldungen zu finden. Es gibt Ausnahmen, etwa der Reeder und Kaufmann Woermann, der gleich zwei ausgewachsene Elefanten vor seine Tür stellte. Allerdings ist das im Innenhof, also nicht von der Straße aus sichtbar. Der Besucher geht dort erst einmal durch ein schlicht wirkendes, schmiedeeisernes Tor. Das ist allerdings auch elegant und wertig ausgeführt und mit einer dezent vergoldeten Palme verziert. Übrigens war die Reederei Woermann der Marktführer für Handelsfahrten zu den afrikanischen Kolonien, und genau darauf spielt der architektonische Schmuck an.

 

 

Der Kollege Sloman, auch ein bedeutender Reeder und Kaufmann, hat für sein Kontor eine eher schlichte Eingangstür aus Holz gewählt, umrahmt sie aber mit Säulen und Ornamenten und zeigt an der Spitze eines seiner Schiffe als Ornament in einer Kupferplatte. Alber Ballin, zeitweise wohl der erfolgreichste Hamburger Reeder, hat sich ein prachtvolles Bürohaus an der Binnenalster bauen lassen. Die Straße davor sogar nach ihm benannt. Sie entstand nach dem Großen Brand wurde als Uferbefestigung gebaut, unter Verwendung des Schutts der abgebrannten Häuser. Der Eingang zu Ballin’s Zentrale ist eigentlich schlicht und geometrisch sachlich gegliedert. Aber die drei Tore sind ungewöhnlich hoch und wirken dadurch gewaltig. Den gleichen Effekt zeigt die Finanzdeputation am Gänsemarkt. Auch dort führen drei hohe Torbögen ins Innere des Hauses.

Ein wohl einmalig gestaltetes Portal führt ins Innere des renommierten Übersee-Clubs. Einst gehörte das prachtvolle Haus dem Kaufmann Gottlieb Jenisch. Er hat diesen Eingang von seinem Architekten entwerfen lassen. Eine schwere Eichentür, mit zwei Flügeln, führt in das Haus. Kein Schild gibt Auskunft über den Besitzer. Drinnen ist es dunkel, nur eine brennende Kerze ist zu sehen. Das dunkelbraune Portal bildet einen starken Kontrast zu der fast weißen Sandsteinfassade. Mir kommt immer, wenn ich dort vorbeigehe, der Ohlsdorfer Friedhof in den Sinn. Die Tür erinnert mich an die großen Mausoleen, die dort erbaut wurden. 

Das Chile-Haus im Kontorhausviertel ist eines der architektonisch bedeutendsten Bürohäuser der Altstadt. Der ganze Komplex gehört zum UNESCO-Welterbe. An der hanseatisch schlichten Klinkerfassade entdeckt man nach und nach zahlreiche Tiere. Manche sehen exotisch aus, andere, wie an einem der Portale, sind als Hirsch und Vogel erkennbar. Wohl aus den gleichen Gründen, aus denen Woermann mit den Elefanten auf seinen Afrika-Handel aufmerksam machen wollte, tat es ihm der Kaufmannskollege Henry Sloman gleich. Er schickte seine Schiffe nach Südamerika und wurde mit dem Salpeter-Import aus Chile ein vermögender Mann. Die Tiere an der Fassade seines Kontors, jedenfalls einige von ihnen, sollen einen Hinweis auf den fernen Kontinent geben. 

PS: Beim Zusammenstellen der Fotos für diesen Beitrag, bekam ich Lust, noch einmal gezielt nach alten Eingängen Ausschau zu halten. Ich denke, diese Seite wird eine Fortsetzung haben.