Ist wirklich schon April? Auf einmal rast die Zeit und ich rase mit. Das Wetter wird täglich besser, die Sonne scheint, wärmt die Natur und mich. Man kann zusehen, wie es grün wird. Wer kann, baut sich gerade ein Nest für den Nachwuchs. Morgen ist Vollmond. Kein Wunder, dass Wale stranden und Wölfe nachts in der Binnenalster baden gehen. Drücken wir mal für alle Abenteurer die Daumen, dass sich für sie ein Happy End einstellen wird.
Mich hält es auch nicht mehr. Ich packe die Kamera ein und mache einen langen Spaziergang. Den allerdings auf bekanntem Terrain, nämlich mitten in der HafenCity. Die ‚Iona‘ hat erneut am Kreuzfahrtterminal festgemacht und ich will mir mal einen neuen Standort suchen, um sie mir anzusehen. Das alte Terminal, wo irgendwann die Kühne Oper stehen wird, bietet sich an. Es liegt genau gegenüber und zeigt das Schiff wasserseitig in voller Schönheit. Aber erst einmal dorthin kommen, denn die kleine Landzunge ist aktuell verwildertes Gebiet.
Der Hochnebel hat sich aufgelöst, und sobald die Sonne durch die Wolken bricht, wird es angenehm warm. Touristen sind unterwegs, in bewährter Zwiebeltechnik gekleidet, wovon sie bald schon Schale für Schale abstreifen. Junge Leute stehen in kleinen Gruppen zusammen und erzählen von ihren Erlebnissen am gestrigen Abend. Es sind Studenten der HafenCity Universität. Eine von vielen Bildungsstätten hier, diese aber besonders schön am Baakenhafen gelegen. Da geht man gerne auf die Balkone und Freiflächen und schaut über die Elbe.
Ich steige die Treppe am Baakenhöft hinab. Bloß nicht ausrutschen. Hier wird schon lange nicht mehr aufgeräumt und man weiß nie, ob nicht längst irgendetwas morsch ist. Geht aber alles gut. Ein Touristenpaar entdeckt mich und folgt. Das erlebe ich oft. Sobald ich die Kamera ans Auge setze, schauen andere prüfend, ob das nicht auch für sie ein lohnendes Motiv wäre. Die beiden haben sich richtig entschieden, denn ich führe sie an einen lohnenden Ort. Ganz an der Spitze der kleinen Halbinsel hat man freien Blick auf das Kreuzfahrtterminal und auf das gigantische Schiff. Ich wiederhole mich, aber es ist gut zu wissen: Die Iona ist fünfzig Zentimeter kürzer als die Kaikante.
Die Abgeschiedenheit des Baakenhöft hat eine nette Nebenwirkung. Hier sind die Wasservögel ungestört unter sich. Meine Ankunft wird neugierig, aber auch missbilligend zur Kenntnis genommen. Na gut, dann eben ein Stück wegfliegen, die Sache im Auge behalten und zurückkehren, sobald sie weg ist.
Mein Rückweg führt mich über den Versmannkai, immer am Baakenhafen entlang. Dort sind nur wenige Touristen unterwegs, was sich sicherlich ändern wird, sobald der Elbtower fertig ist. Dann hat die HafenCity einen zweiten Besuchermagneten ganz am östlichen Ende des Stadtteils. Ich suche mir einen Platz auf den vielen freien Bänken und öffne den Rucksack, um das Frühstück auszupacken.
Früher habe ich auf meinen Spaziergängen immer etwas mitgenommen, aber seit ich in der HafenCity unterwegs bin, finde ich überall kleine Lokale, die mir einen Kaffee und ein Croissant verkaufen. Heute aber bin ich Selbstversorger. Zwei kräftige Schwarzbrotstullen mit Leberwurst habe ich mir eingepackt und die werde ich jetzt aufessen. Das Lunch-Paket liegt im offenen Rucksack. Eine Scheibe habe ich in der Hand, die zweite wird gleich folgen. Da kommt eine junge Frau vorbei, die ihren Dackel spazierenführt. Er macht einen eleganten Bogen, steht auf einmal hinter mir und springt lautlos auf die Bank. Die Leberwurst hat seine Aufmerksamkeit geweckt. Seine Besitzerin ist geistesgegenwärtig und hebt ihn hoch. Das war knapp, zu gerne hätte er mein Frühstück verdrückt. Ich fand es sehr komisch und wäre fast von einem Dackel in den April geschickt worden.
Und wie war es bei Ihnen? Reingefallen oder selbst ausgeteilt? Wie auch immer, Hauptsache, es war lustig. In dem Sinne wünsche ich viel Freude im April 2026.






















