Blue Hour

Ich weiß, ich weiß. Kreuzfahrtschiffe sind umweltschädliche Stinker. Sie hinterlassen Ruß und Schwefel in der Luft und verursachen Massentourismus in den Städten. Die Arbeitsbedingungen an Bord sollen schlecht sein, was mich überrascht, denn von der Crew lässt es sich niemand anmerken. Die wirken alle hoch motiviert und sind extrem freundlich und stets guter Laune. Ich wäre froh, wenn sich das auch in den Geschäften an Land durchsetzen würde. Da treffe ich selten auf Mitarbeiter, die ihre Freude an ihrer Arbeit so offen zeigen. Ganz anders auf den Schiffen. Aber gut, natürlich habe ich auch die dunkle Abgaswolke gesehen, die aus dem Schornstein drang, als sie vorbeizogen. Es hat meine Begeisterung am Anblick der Parade nicht geschmälert. Das ist weniger der inneren Verdrängung geschuldet, als vielmehr der Gewissheit, dass sich auch diesbezüglich etwas ändert. Man ist auf einem guten Weg und mir leuchtet ein, dass sich diese grundlegenden Verbesserungen nicht von einem Tag auf den nächsten realisieren lassen. Ich bin geduldig und zuversichtlich und freue mich auf die Cruise Days, wie ein Kind auf den Weihnachtstag. Dabei bin ich gar keine Freundin vom Kreuzfahrturlaub, mir ist das nämlich zu langweilig (!!). Aber vom märchenhaften Anblick der Schiffe, besonders am Abend, lasse ich mich gerne verzaubern. Tauchen wir also ein, in die Abendstimmung am Cruise Day.

 

Die MSC Preziosa wird in Stellung gebracht. Man zieht sie rückwärts die Elbe hinauf. So spart man das Wendemanöver. Ein Schlepper an Heck reicht aus, denn das Schiff fährt alleine.

 

Die Party wird an den Landungsbrücken stattfinden, dort ziehen die Schiffe nacheinander vorbei, bevor sie die Elbe abwärts in Richtung Nordsee fahren. Sie werden mit einem Feuerwerk verabschiedet, man spielt Musik und winkt mit allem, was man hat. Ältere schwenken das Taschentuch, die jüngere Generation winkt mit dem Handy-Licht. Man ruft „HALLO“ und freut sich auf die Antwort, die wie ein Echo zurückschallt. Tausende drängen sich auf dem langen, aber eher schmalen Ponton und an Bord stehen alle Passagiere an der Steuerbordseite, was dem Schiff nichts ausmachen darf.

Ich wäre ganz gerne dabei, scheue aber das Gedränge. Dann lieber einen ruhigeren Ort suchen und notgedrungen auf das Feuerwerk verzichten. Bisher war das Elbufer immer ein guter Tipp, aber seit Fertigstellung der HafenCity gibt es eine bessere Möglichkeit. Ich muss von meiner Wohnung nur wenige Meter gehen und schon bin ich am Strandkai. Von dort hat meine freie Sicht auf die Norderelbe. Genau hier werden sich die Schiffe versammeln, in Reihe aufstellen, bevor der Auslauf beginnen kann. Das ist also ein sehr guter Platz, um alles aus nächster Nähe zu erleben.

 

 

Der Strandkai ist fertig und gehört zu den beliebtesten Fußwegen in der HafenCity und ist doch nicht überlaufen. Es sind viele Menschen gekommen, und jeder findet einen Platz, um zu gucken oder zu fotografieren. Noch gibt es hier keine Restaurants, was die Anlieger wissen und deshalb selbst etwas mitgebracht haben. Sekt- und Weinflaschen werden entkorkt und fertig gemixte Cocktails aus Dosen getrunken. Andere haben Knabberzeug mitgebracht und schnell hat man die passende Tauschgruppe gefunden. Prost und Ahoi! Ein langes Hupen ist zu hören, als hätte das Schiff geantwortet. Gute Fahrt und kommt bald wieder. – Ja, das werden sie, inzwischen fast ganzjährig. Allerdings in dieser Formation, ein Schiff hinter dem anderen, alle bis zum Schornstein hell erleuchtet, sieht man sie nur alle zwei Jahre während der Cruise Days. Einige Hamburger Leser werden jetzt protestieren, ’se lücht!‘, nächste Jahr im Mai ist doch Hafengeburtstag und dann ist alles noch viel bunter, größer und schöner. Ja, stimmt, aber das ist dann eine ganz andere Geschichte.

 

Gleich drei Kreuzfahrer hintereinander. Ein vierte liegt noch dahinter, wird sich aber an der Auslaufparade nicht beteiligen. Ein prachtvoller Anblick, aber für alle Verantwortlichen sicherlich eine Herausforderung. Natürlich geht alles glatt, die können ihren Job.