Der alte Alsterlauf

Kartenquelle: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Lizenz CC0, Digitalisat. Bearbeitung: bluepeter.de

 

Erneut habe ich die Karte von 1813 angeschaut und versucht mir vorzustellen, wie die Stadt damals aussah. Die Franzosen waren gerade abgezogen und nun setzte man auf Wachstum. Mehr Handel, mehr Menschen, mehr Häuser und vor allem Kontore und Speicher. Dafür musste man die Stadtfläche erweitern und da stand der Wall im Weg. Er wurde kurzerhand abgetragen, den Schutz gab man auf und erhielt dafür vielversprechende Möglichkeiten, so weit das Auge blicken konnte. Am Kern änderte sich nichts. Für die Kaufleute war das der Hafen und für die Bürger die fünf Kirchen. The Big Five. Und dann gab es auch noch eine Lebensader, eine Aorta, die alles in Schwung hielt. Das war die Alster, deren Bedeutung erst langsam an die Elbe überschwappte. Noch waren es die Schuten, die die Ware bis nach Ohlstedt brachten und dann weiter auf dem Landweg bis nach Lübeck. Die fernen Handelswege waren noch nicht entstanden, denn dafür braucht man große und schnelle Schiffe. Das wird noch etwas dauern, aber nicht mehr lange.

Ich konzentriere mich also auf die Alster und finde ihren alten Lauf schnell heraus. Sie mäanderte sich vom Alster-Staubecken (heute Binnenalster) bis zur Elbe (heute Landungsbrücken). Es ist leicht, dem Fluss auf der Karte zu folgen, aber lässt sich das auch in der Realität wiederholen? Kann man noch heute den alten Alsterlauf entlang gehen und Ausschau nach überdauerten Zeugen halten? Ja, man kann und ich habe es mit großen Vergnügen gemacht.

 

1. Etappe: Kleine Alster / Alsterfleet

Der erste Abschnitt ist leicht zu finden. Die Alster verläuft schnurgerade vom Jungfernstieg bis zur Stadthausbrücke. Folgt man den Alsterarkaden, dann spaziert man die ganze Strecke unmittelbar am Wasser entlang. 

 

2. Etappe: Mönckedammfleet

Es wird knifflig. Der breite Alsterfleet führt in die Irre. Er würde mich zwar schnurstracks zur Elbe bringen, nur leider nicht auf den Spuren des alten Flusslaufes. Der hat sich nämlich gewunden und ein paar Drehungen gemacht, bevor er sich mit dem großen Bruder vereint hat. Und deshalb muss ich an der Stadthausbrücke zusehen, dass ich irgendwie dem Mönckedammfleet folgen kann. Das ist nämlich die ursprüngliche Alster.

 

3. Etappe: Das Nikolaifleet

Unter der Haspa verschwindet die Alster. Aber an der anderen Seite des Hauses, am Großen Burstah, taucht sie schon wieder auf. Vermutlich ist das nicht der Grund, für den Namen der Trostbrücke, die dort über den Fluss führt. Jetzt ist die Alster schon ein gutes Stück breiter. Ihre Mündung ist nicht mehr fern. Dieser Teil ist das Nikolaifleet und es wurde als Hafenbecken genutzt. Das kann man sich noch heute gut vorstellen, denn die Kaimauern sind je nach Tide gut zu sehen. Ein Schmuckstück ist die Zollenbrücke, wohl eine der ältesten in Hamburg. Eigentlich ist sie heute ohne Funktion, dafür umso fotogener. Über die viel befahrene Willy-Brandt-Straße komme ich zur Deichstraße. Dort stehen noch einige alte Häuser und besonders schön ist deren Rückseite. Die liegt nämlich unmittelbar am Nikolaifleet. Und als ich mir das Ganze von der Holzbrücke aus ansehen, da kann ich mir auf einmal leicht vorstellen, wie es damals in Hamburg war. Vermutlich genauso schön und spannend wie heute.