Das gleichnamige Quartier ist das Sahnestück unter den HafenCity-Quartieren. Die schmale Landzunge liegt unmittelbar an der Elbe und steht man an der Spitze, blickt man auf die Landungsbrücken und die Elbphilharmonie. Ein Standort für ein Postkartenmotiv.
Das Gebiet lädt zum Spaziergang ein. Startet man an den Marco Polo Terrassen, dann folgt man zunächst dem Hübnerkai. Der führt direkt am Südufer des Grasbrookhafens entlang. Man bewegt sich auf historischen Kernland des Hafens. Schon im 19. Jh. wurde hier massiv ausgebaut. Erste moderne Hafenbecken entstanden, die tief genug waren, um Schiffe bis an die Kaimauer zu führen. Während man linker Hand markante Häuser der HafenCity erleben kann, darunter Bauten wie ‚The Crown‘ und ‚FiftyNine‘, hat man zur rechten immer die Elbphilharmonie im Blick. Früher der Kai(ser)speicher A.
An der Spitze der schmalen Landzunge hat man Bänke aufgestellt. Noch ist genug Platz für jeden Besucher. Die Touristen haben den Strandkai noch nicht für sich entdeckt, was auch daran liegen könnte, dass die Gastronomie noch immer nicht eröffnet wurde. Mich freut es, denn hier habe ich selbst in den Ferien einen ruhigen Ort zum Entspannen und Träumen. Die stetig fließende Elbe, mal in die eine Richtung, dann wieder zurück, ist gerne bereit, die Wünsche mitzunehmen. Am Wochenende wird es voller, jedenfalls am Nachmittag/frühen Abend. Dann wird hier musiziert und dann füllen sich die Bänke rund um die kleine Freilichtbühne. Die Bewohner aus den Häusern ringsherum nutzen das musikalische Angebot für ein maritimes Picknick. Mitgebrachte Sektgläser werden gefüllt, man stößt an und lernt ganz ungezwungen die Nachbarschaft kennen. Eine nette Sache, die nicht selten in der HafenCity passiert und die ich sehr schätze.
Der Rückweg führt ebenfalls schnurgerade am Wasser entlang. Jetzt laufen wir direkt an Ufer der Norderelbe und das Blickfeld weitet sich deutlich. Der Fluss ist an dieser Stelle über 300 Meter breit und zahlreiche Hafenbecken lassen uns weit über einen Kilometer in die Ferne schauen. Die Häuser am Strandkai haben alle eine helle Fassade, oftmals wurde reines Weiß gewählt. So ist eine elegante, frische und einmalige Silhouette entstanden, die vielleicht ein neues Wahrzeichen der Stadt werden könnte. Der Strandkai führt uns bis zum neuen Kreuzfahrtterminal. Dort mündet er nahtlos in den Chicagokai ein.
Schon in früheren Zeiten war der Strandkai sehr belebt. Eines der ersten Auswanderer-Terminals wurde dort eingerichtet. Später zog es in die ‚BallinStadt‘ auf der Veddel. Wo heute die Kreuzfahrer anlegen, entstand ab 1900 ein riesiger Gasometer – damals der größte Europas. Bis in die 1980er Jahre wurde dort Kohle für die Gaswerke gelöscht. Ja, Strandkai roch nicht immer nach Flat White.
Das markante Bürohaus Strandkai 1 (Behnisch Architekten) wurde von Unilever als DACH-Zentrale genutzt (2009-20). Ich mache dort gerne Pause, denn man kann sich einen Snack kaufen und auf der großen Terrasse das Essen und den Ausblick genießen. Falls ein Kreuzfahrer am Terminal liegt, hat man gleich noch ein erstklassiges Fotomotiv. Allerdings wird es nicht die Queen Mary 2 sein. Sie würde wohl genug Platz haben, aber ihr Tiefgang (10,30m) unterscheidet sie von der Konkurrenz. Da könnte es am Anlieger in der HafenCity eng unterm Bug werden.
Der Strandkai hat sich neu erfunden. Einst war er das alte Hafenarbeitsrevier, jetzt wurde er zur Flaniermeile mit Elbpanorama. Schauen wir weiter zurück, etwas in das 17. Jh., dann würden wir die Landschaft nicht wiedererkennen. Damals gab es noch keine Norderelbe, jedenfalls nicht in der heutigen Breite. Sie war ein künstlich angelegter Durchstich. Dadurch wurde die Insel Grasbrook in zwei Hälften geteilt. Auf der nördlichen entstand die HafenCity und auf der südlichen Insel (heute als Grasbrook bezeichnet) beginnen bereits die Bauarbeiten für einen weiteren Stadtteil an der Elbe.
Der historische Grasbrook, zu dem auch der Strandkai gehört, war eine grüne Weidefläche, im Sommer mit Kühen und Schafen. Aber es gab auch einen schaurigen Ort, nämlich eine Hinrichtungsstätte. Auf dem öffentlichen Richtplatz wurden Seeräuber und andere zum Tode verurteilte Verbrecher geköpft. Ihre Leichen wurden in Käfigen zur Schau gestellt. Sie dienten als Abschreckung am Elbufer, weithin sichtbar für Schiffsbesatzungen. Es ist naheliegen, dass man dafür das Ufer am Strandkai ausgewählt hatte. Vermutlich kamen auch Klaus Störtebeker und seine Mitgefangenen an dieser Stelle ums Leben. Wer hier heute flaniert, sollte wissen: Unter den Füßen liegt mehr Geschichte, als in so manchen Reiseführer passt. Am Strandkai zeigt Hamburg, dass man Hafenromantik auch ohne Ölgeruch und Kohlestaub erleben kann – aber bitte nicht ohne Windjacke.




















