Einparken

Der Hafengeburtstag steht fast schon vor der Tür (8. – 10. Mai). Die letzten Jahre war ich immer dabei, aber das berühmte Schlepperballett habe ich nie gesehen. Es gehört zu den Höhepunkten und entsprechend viele Leute möchten es sehen. Die Landungsbrücken sind dann gerammelt voll und ich weiß nicht, wo ich einen Platz finden kann, um freie Sicht zu haben. Aber man kann den Schleppern ja auch einfach mal bei ihrer alltäglichen Arbeit zusehen, und das habe ich heute gemacht. 

Der Autofrachter ‚Grande Sicilia‘ stampfte die Elbe hoch. Sein Ziel war das O’Swald Terminal, wo gebrauchte Autos verladen werden. Ihr Ziel ist in Südamerika oder Afrika. Dort warten viele Kunden auf die Pkw, die bei uns nur noch mit viel Aufwand durch den TÜV kommen würden. Die auffällig lackierten Frachter der Grimaldi Linie sind auf diesen Transport spezialisiert. Sie nehmen zwar auch Container mit, aber vor allem wird der geräumige Schiffsbauch mit Autos gefüllt. Die fahren über eine Rampe in den Laderaum und parken dann mit handbreitem Abstand nebeneinander. Man muss ein gutes Auge haben, um diesen Job zu erledigen. Und viel praktische Erfahrung.

 

 

Die ‚Grand Sicilia‘ ist mit 177 Metern Länge nicht gerade das größte Schiff in ihrer Flotte, aber genauso plump und viereckig, wie die Schwestern. Bevor sie anlegen kann, muss sie erst einmal gedreht werden, und dafür braucht der Kapitän Unterstützung. Ein Job für die Hafen-Assistenzschlepper. Einer zieht vorn (VB Rasant) und einer lenkt hinten (VB Resolut). Die bulligen Kraftpakete sehen wie Zwillinge aus und haben sogar noch zwei weitere identische Geschwister mit den Namen ‚VB Perfect‘ und ‚VB Prompt‘. Zusammen haben die beiden Schiffe knapp 11.500 PS an Bord und können den viel größeren Frachter mit Leichtigkeit ziehen oder schieben, was gerade benötigt wird. In der Regel aber sorgt das Schiff selbst für die Bewegungen. Mit drehbaren Propellern kann es in alle Richtungen steuern. Die Schlepper greifen nur im Notfall ein und unterstützen beim Bremsen, denn das ist im Wasser aktiv nicht möglich.

 

 

Ein eisiger Wind blies mir ins Gesicht, als ich am Ufer der Norderelbe stand, und das Anlegemanöver verfolgte. Mit Handschuhen bediente ich die Kamera, machte ein paar Fotos und einige Videosequenzen. Der Himmel war eisig grau, das war schade, aber die Schiffe fuhren in nächster Nähe vorbei, und so wurden es doch noch ganz schöne Bilder. Wie immer habe ich das Video auf YouTube veröffentlicht. Der pfeifende Wind wurde durch eine nette Musik ersetzt, und dann passt es wieder. Spätestens beim Hafengeburtstag können wir uns die Schlepper erneut ansehen, wenn sie ihre Runden zur Musik auf dem Wasser drehen. Man sagte mir, dass sie dann ganz anders aussehen. Statt Kraftpaket zeigen sie sich dann als wendige und durchaus elegante Tänzer auf den Wellen.