Elbeis

Vor einer Woche war es bitterkalt. Nachts fiel das Thermometer auf minus zehn Grad und tagsüber erreichten wir maximal den Gefrierpunkt. Aber dann zog Väterchen Frost weiter und binnen weniger Tage schmolz die geschlossene Schneedecke dahin. Ein laues Lüftchen zog durch den Hafen. War es das jetzt? Ist der Winter 2025/26 überstanden? Ich stellte mir diese Fragen und brachte voller Optimismus die Stiefel in den Keller. Andere sind skeptisch oder realistischer. Wie auch immer, natürlich sackten die Temperaturen wieder ab und erneut haben wir Frost in der Nacht. Aber alles nicht so schlimm, niemand erwartet ein ‚Beast of the East‘.

 

 

Am Freitag war ich beim Friseur. Inzwischen waren auch die letzten Eisknuppel getaut, es warteten keine bösen Fallen auf mich. Dafür aber eine dicke Überraschung: Da schwammen richtige Eisschollen gemütlich den Elbstrom hinab. Nicht in den flachen Fleeten und auch nicht in den Hafenbecken, sondern mitten im Fahrwasser, wo die Elbe über 15 Meter tief ist. Das wunderte mich sehr, denn die wenigen frostigen Tage und Nächte hatten nicht ausgereicht, um sie zufrieren zu lassen. Woher kam also das kompakte Eis?

 

 

Natürlich kam es elbabwärts geschwommen, also aus Geesthacht, Lauenburg und vielleicht sogar aus Dresden? Tatsächlich sind in Geesthacht Eisbrecher im Einsatz, um die Binnenschiffahrt möglichst schnell wieder mobil zu machen. Dort geht nichts mehr und die Bild-Zeitung berichtet von zehn Meter hohen Eisbergen. Fachleute sagen, dass das Eis vom Grund der Elbe zehn Meter in die Höhe ragt und es eine außergewöhnliche Situation sei. Die gefrorene Schicht ist selbst für starke Eisbrecher zu dick. Und da erneut Frostwetter angekündigt wurde, kann es noch dauern, bis sich das alles auflösen wird. Bis dahin ziehen große Eisschollen durch den Hamburger Hafen und eigentlich hofft man darauf, irgendwo einen Eisbären oder wenigstens ein paar Pinguine zu entdecken. Für schöne Fotos reicht es allemal, besonders wenn sich der Himmel spektakulär zeigt, wie an dem Tag, als ich unterwegs war.