Frühlingsgefühle

Nun ist er endlich da, der Frühling! Sonne, milde Temperaturen und Pollen aller Art. Alles kam auf einmal und man kann gar nicht so schnell reagieren. Mütze und Handschuhe braucht man nicht länger und die Winterjacke ist auch viel zu warm. Ich habe heute Morgen sogar die Heizung ausgestellt und das ist eine heikle Entscheidung. Ich habe Fußbodenheizung und die ist nicht ganz einfach im Gebrauch. Sie reagiert extrem träge und wird teuer, wenn man zu viel daran herumstellt. Einfach aus- und wieder anmachen ist keine gute Option. Trotzdem habe ich mich für das Ende der Heizperiode entschieden, denn die Wohnung ist so gut isoliert, dass man einfach von der eingefangenen Sonnenwärme leben kann. Mittags saß ich im kurzen Hemd auf dem Balkon und frischte den verblassten Teint auf. Hurra, der Winter ist überstanden.

Bei so einem Wetter zieht es mich natürlich raus. Nach langer Pause wollte ich mal wieder die Elbphilharmonie besuchen. Noch ist die Aussichtsplattform, genannt Plaza, kostenfrei zugänglich. Es wird darüber diskutiert, ob man es dabei belässt. Das wäre schade, denn das Angebot lockt Touristen und Hamburger in großen Scharen zu dem Haus. Bisher war ich immer enttäuscht von der doch allzu kargen Ausstattung. Warum steht in einem Musik-Tempel nicht einfach ein Klavier im Foyer auf dem Plaza-Niveau? Vielleicht setzt sich der eine oder andere Besucher hin und spielt ein paar schöne Melodien? Warum findet man weder einen Tisch noch einen Stuhl auf der gesamten Plattform? Und warum kümmert sich niemand um den inzwischen sichtbar schäbigen Zustand von Wänden und Decken? Ich werde kein Freund dieses Bauwerks, egal wie oft ich dort bin. Aber der Ausblick von dort oben ist gigantisch und deshalb schweige ich zu allem anderen.

 

 

Um zehn Uhr öffnete die Plaza, ich kam wenige Minuten später dort an. Eine Schulklasse stand schon vor dem Eingang und einige Besucher hatten sich ihr Ticket bereits geholt. Ansonsten war es noch sehr leer und deshalb kein Problem, die besten Plätze zum Fotografieren zu benutzen. Das ist natürlich die Westseite, von wo man die Elbe abwärtsblickt. Vor einem liegen die Landungsbrücken und gleich dahinter erkennt man den Kirchturm von Altona. Geht man zur Nordseite, dann blickt man auf die Häuser der Alt- und Neustadt. Man schaut in Richtung der aufgestauten Alster und hat die Kirchtürme der Hamburger Hauptkirchen im Blick. Dazwischen steht der Turm des Rathauses und verwirrt die Touristen. Sie zählen sechs Türme, wo doch eigentlich nur fünf Kirchen sein sollen. 

Ganz links beginnt die Reihe mit dem Michel. Er ist bekannter als alle anderen, dabei ist er das jüngste Bauwerk unter den Kirchenbrüdern. Gleich neben dem Michel entdecke ich etwas Neues. Was ist das? Ein Kreuzfahrtschiff? Kaum möglich, denn dort ist keine Elbe. Dann fällt es mir ein. Es ist der Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld. Ein alter Bekannter, aber in neuem Outfit. Inzwischen sind die Gärtner fertig geworden. Sie haben unzählige Bäume und Büsche auf den Betonklotz gepflanzt und nun haben wir einen grünen, stattlichen Berg, mitten in St. Pauli. 

Richtung Osten schaut man auf den neuen Stadtteil HafenCity. Ich werde etwas wehmütig, wenn ich den Kaiserkai sehe, denn dort habe ich zwei Jahre gewohnt. Eine feine Adresse, gleich neben der Elbphilharmonie. Jetzt bin ich ins Zentrum gezogen, kann aber noch immer die Elphi bequem zu Fuß erreichen. Wenn der östliche Teil der HafenCity fertig gebaut worden ist, dann wohne ich mitten drin. Bis dahin wird es noch etwas dauern, aber es sieht gut aus. Der Elbtower, der dann ganz im Osten den Gegenpart zur Elphi bilden wird, soll jetzt wirklich weitergebaut werden. Das wird ein spannendes Gebäude, übrigens auch mit einer öffentlichen Plaza hoch oben, die kostenfrei für jeden zugänglich sein soll.

 

 

Schließlich komme ich zur Wasserseite der Elphi, sie liegt unmittelbar an der Elbe. Drüben sehe ich einen Autofrachter am O’Swaldkai liegen, in der Raffinerie gegenüber wird gearbeitet und in der Ferne erkenne ich die Köhlbrandbrücke, deren Tage auch gezählt sind. Auf dem weitflächigen Werksgelände von Blohm & Voss (inzwischen Lührssen) wurden riesige Zelte aufgestellt. Vermutlich als Sichtschutz für die Marineschiffe, die neuerdings dort gebaut werden. Verrückte Zeiten. Ich atme noch einmal tief ein, blinzel in die Sonne und beende meinen Rundgang auf der Plaza. Wieder finde ich keinen Platz, um meinen Fotorucksack abzustellen. Mühsam nutze ich die Treppenstufen zum großen Saal und packe dort die Kamera in die Tasche. Als ich kam, habe ich die Rolltreppe benutzt, die inzwischen armselig aussieht. Der raue Putz an Decke und Wänden ist schmutzig, die Fahrt ist langweilig und das Licht so unpersönlich, wie man es von einer billigen Neonröhre erwarten kann. Aber gut, nicht schimpfen, der Besuch ist kostenfrei. Der schnelle Weg nach unten führt über die Fahrstuhlschächte. Im Erdgeschoss erwartet einen dann noch eine Überraschung. Man ist in einem dunklen, niedrigen Gang gelandet. Ganz am Ende sieht man Licht. Ist das wirklich einer der Hauptzugänge zum hochgelobten Haus? Immerhin erfährt man am Ende dieses Tunnels noch den Namen des Architekten. Auf einer schlichten Platte sind die Daten vermerkt. Sie hängt an der Wand, die unbedingt mal einen Anstrich nötig hätte. Aber gut, vielleicht ist das alles nicht so wichtig?

 

 

PS: Auch heute habe ich neben den Fotos die Videotaste gedrückt. Noch gebe ich nicht auf und die Aussicht von der Plattform kann man tatsächlich im Video viel besser zeigen. Also, wer will, kann sich meinen Ausflug auf YouTube ansehen.