Hamburg bekommt ein neues Opernhaus. Die Würfel sind gefallen, der Architekten-Wettbewerb ist entschieden. Der Sieger und die Entwürfe der vier Mitstreiter sind im Kesselhaus, in der HafenCity, zu sehen. Schon kurz nach Öffnung drängten sich die Besucher um das riesige Modell der HafenCity. Gleich daneben wurde die kleine Ausstellung der Opernhäuser eingerichtet. Das Interesse ist groß und ich vermute, dass sich heute Morgen vor allem Bewohner des neuen Stadtteils eingefunden hatten. Man wollte sehen, wie die unmittelbare Nachbarschaft sich weiterentwickeln wird. Und mein Eindruck war, dass allgemein große Zustimmung und Zufriedenheit herrschte. Einige strahlten, als wäre der Weihnachtsmann schon da gewesen und irgendwie ist es ja auch so. Der in Hamburg geboren Multimilliardär Klaus-Michael Kühne stellt bis zu 330 Millionen Euro aus der Kühne-Stiftung für den Neubau einer Oper zur Verfügung. Das Vermächtnis eines 88-Jährigen an seine Heimatstadt. Bestes hanseatisches Mäzenatentum und ganz gewiss ein Grund zur Freude. Manche sehen es anders, wie beispielsweise die FAZ. Sie sieht drohendes Unheil aufziehen und prophezeit: „Ein Opernprojekt als Menetekel. Die Hansestadt, eben noch bewundert für ihren Pragmatismus, setzt auf Architekturkitsch und frönt einem unerquicklichen Neofeudalismus.“ Warum so wütend? Ist man neidisch? Die ZEIT liegt da dem öffentlichen Urteil deutlich näher. Sie schreibt: „… ein Entwurf, den man ganz unbescheiden epochal nennen darf.“ Auch mir gefällt das neue Opernhaus sehr und ich bin mir da mit allen (!) anderen, die ich heute Morgen getroffen hatte, einig.
Der Siegerentwurf:
Fünf international erfolgreiche Architekturbüros gaben ihre Entwürfe ab. Darunter auch gmp (Gerkan, Marg und Partner), die in Hamburg das Hanse-Viertel und das Zürichhaus entworfen und gebaut haben. Auch der Bahnhof Elbbrücken wurde von diesem Team erdacht und realisiert. Ihr Entwurf für das neue Opernhaus gefiel mir auch sehr gut. Es wirkt futuristisch, sieht aus wie ein gelandetes Ufo und ähnelt im Konzept der Begehbarkeit doch dem Gewinner. Mir wäre die Wahl schwergefallen.
Dann gab es noch Vorschläge von Snöhetta aus Norwegen, Prof. Jörg Friedrich, der schon die Ericus-Spitze bebaut hat und Sou Foujimoto aus Japan.
Beim Schreiben fällt mir auf, dass man sich heute gerne den Namen des Büros aus den Initialen des Chefs zusammenbaut. Statt Gerkan, Marg und Partner reduziert man auf die Anfangsbuchstaben gmp. Prof. Friedrich macht es genauso: pfp. Und unbedingt kleinschreiben, ganz bescheiden und unbedeutend wirken. Früher war das anders. Da hat man den vollen Namen mit Titel verwendet. Da hießen die Architekten Hans Scharoun, Frei Otto oder noch besser Egon Eiermann. Und sie haben die Modelle fein und detailliert gebaut, jedenfalls nicht so grob geschnitzt, wie man es beim Norweger sieht. Dafür kann man heute bei den Fotos punkten und das Gebäude so zeigen, als würde es schon auf dem Baakenhöft stehen.
Noch etwas fiel mir auf. Als großer London Fan war ich natürlich schon etliche Male im Hyde Park unterwegs. Dort gibt es eine Kunstgalerie, die im südlichen Teil, also in den Kensington Gardens steht. Ein ehemaliges Teehaus. Diese Galerie zeigt im Sommer immer Ausstellungen in einem temporär errichteten Pavillon an der Serpentine. Ein Gewässer, das sich wie eine Schlange durch den Park zieht. Für diese Pavillons werden jedes Jahr junge Architekten gesucht, die sich dort mit ihrer Arbeit vorstellen möchten. Ausgewählt wurden u.a. Sou Fujimoto, Snöhetta und Bjarke Ingels, der Sieger in Hamburg. Erstaunlich, dass gleich drei der fünf Architekten bereits in diesem speziellen Londoner Wettbewerb gewonnen hatten.
Die Oper könnte 2035 fertig sein, ganz große Optimisten nennen sogar 2032 als Zieljahr. Ob der Mäzen das noch erleben wird, ist ungewiss und nicht sehr charmant von mir, es zu erwähnen. Aber ich habe meinen Grund. Mit Angst und Schrecken wurde mir bewusst, dass auch ich dann bereits meinen achtzigsten Geburtstag hinter mir habe. Da hilft wohl bloß noch Daumen drücken. Falls ich aber dann hoffentlich doch noch unter den mobilen und wachen Menschen sein sollte, könnte ich mir eigentlich ein Jahresabo leisten oder sogar gleich auf Lebenszeit buchen. Möge alles gut gehen. Mit dem Haus, mit mir und überhaupt. Und darauf trinke ich jetzt einen Schluck Sekt.























