Neulich traf ich zufällig eine Freundin im Bus. Wir fuhren von Altona nach Hause in die HafenCity. Am Bahnhof Baumwall biegt der Bus rechts ab, quert die Elbe und sticht in die Speicherstadt ein. Diesmal aber fuhr er eine andere Route. Meine Freundin kannte den Grund: „Die Brücke ist gesperrt. Sanierung.“ Komisch, denn auf dem Hinweg fuhren wir noch die gewohnte Strecke, aber dann fiel mir ein, dass die Brücke tatsächlich aus zwei separaten Überführungen besteht. Für jede Fahrtrichtung eine. So war es möglich, stadteinwärts zu passieren, in Richtung Grasbrook (HafenCity) ging das aber nicht. Die größte Überraschung fügte sie dann noch beiläufig hinzu. Bauzeit zwei Jahre, man plant die Fertigstellung für Anfang 2028!
Es handelt sich um die Niederbaumbrücke, die die Altstadt mit der Elbinsel Großer Grasbrook verbindet. Die Elbquerung an dieser Stelle hat wohl schon Mitte des 13. Jahrhunderts bestanden. Die Brückenpfeiler für die heutigen beiden Brücken wurden 1878 erbaut. Seit Errichtung der HafenCity, in der 16.000 Menschen leben werden und 45.000 Arbeitsplätze geplant sind, ist die Niederbaumbrücke die wichtigste Zufahrt im Westen. Im Osten führt die Oberbaumbrücke zum Deichtorplatz. Dazwischen gibt es für Autofahrer nur noch zwei kleinere Brücken über den Zollkanal. Wenn also jetzt das Einfallstor im Westen für mehrere Jahre eine Baustelle sein wird, dann hat das beachtliche Auswirkungen. Entsprechend weiträumig musste geplant werden.
Es geht nicht alleine um Bus- und Autoverkehr. Man hat der Elbphilharmonie ihren Hauptzufahrtsweg abgeschnitten und muss sich überlegen, wie man die Besucher besonders vor und nach Veranstaltungen umleiten kann. Im Sommer parken regelmäßig weit über ein Dutzend Reisebusse vor der Elphi, die sich dann über die Niederbaumbrücke bis zum Baumwall zurückstauen. Für sie braucht man neue Parkflächen. Der Hafengeburtstag zieht sich schon seit Jahren über die Brücke in die HafenCity. Die AIDA Reederei nutzt den Platz vor der Elphi für ihr großes Gästezelt mit Show-Bühne und Demo-Schiffskabine. Und im Fall einer Sturmflut muss sichergestellt sein, dass die HafenCity erreichbar bleibt. Eine logistische Herausforderung, und tatsächlich ist man schon seit langer Zeit mit den Vorbereitungen für die Sanierung beschäftigt.
Es geht vor allem um die maroden Kaimauern. Sie müssen ersetzt werden, bevor Teile ungeplant in die Elbe fallen. Das betrifft die gesamte Kehrwieder-Kaimauer. Sie zieht sich um die Landspitze hinter der Polizeiwache, unter den beiden Brücken hindurch bis in die gleichnamige Straße ‚Kehrwieder‘. Damit ist die kleine Aussichtsfläche ‚Kehrwiederspitze‘ leider auch für lange Zeit gesperrt. Eigentlich wird dort während des Hafengeburtstags eine Bühne für die Gastnation aufgebaut, dieses Jahr werden das Musiker aus Liverpool sein. Ja, da war doch was. Die Jungs waren schon einmal in Hamburg und haben hier ihre Weltkarriere gestartet. Bin gespannt, wo sie in diesem Jahr spielen, und freue mich nicht nur auf die Musik, sondern auch auf die kulinarischen Angebote. Ich rechne fest mit ‚Fish & Chips‘, und zwar mit dem richtigen Fisch (Cod), und dazu ein schönes, mildes Ale oder einen fruchtigen Cider.
Je mehr ich über die Baustelle erfuhr, desto neugieriger wurde ich. Heute Morgen hatte ich Lust, es mir einmal genauer anzusehen. Vieles findet unter der Wasseroberfläche statt, und ich erinnere mich, dass man dort schon im letzten Jahr sehr aktiv gebohrt hat. Damals fiel mir auf, dass die Feuerlöschboote ‚Prag‘ und ‚Dresden‘ ihren Platz an der Kehrwiederspitze verlassen hatten. Sie störten bei den Vorarbeiten. Wenn man sich überlegt, dass es ca. 45 Kilometer Kaimauern im Hamburger Hafen gibt, und ein Teil davon über einhundert Jahre alt ist, dann haben die Sanierungsunternehmen vermutlich noch lange zu tun. Auch nicht ganz naheliegend oder gar sinnlich greifbar sind die gewaltigen Ausmaße dieser Anlagen. Die Uferkante fällt steil bis auf den Grund der Fahrrinne ab. Die Höhe bzw. Tiefe lässt sich mit einem 12–14‑geschossigen Hochhaus vergleichen. Man müsste mal den Stöpsel ziehen, für eine Nacht die Elbe leer laufen lassen. Wie das wohl aussieht? Ich frage mal KI, ob er (sie?) mir ein Bild malen kann. Und ob, KI kann das!!! Ich bin beeindruckt.

















