Alle paar Monate fahre ich mit der U4 bis zu den Elbbrücken und gehe dann zu Fuß zurück ins Überseequartier. Die Attraktion, nämlich der Elbtower mit öffentlich zugänglicher Plaza, lässt noch auf sich warten. Die anderen Häuser wachsen aber schneller in die Höhe, als ich gedacht hatte. Das wird hier hinten, am östlichen Ende der HafenCity, ziemlich eng. Die Gebäude sind durchweg sehr hoch und stehen nahe beieinander. Dem HafenCity-Konzept ist man treu geblieben, die bunte Mischung macht den Unterschied. Zwischen den Büro- und Verwaltungshäusern stehen Wohntürme. Ich weiß nicht, ob es mir dort gefallen würde, aber es ist interessant. Man sieht Kontraste. Da fließt die Elbe ganz gemächlich und flach durch den Baakenhafen und am Uferrand türmt sich ein künstlich errichteter Berg auf, mit Aussichtsplattform und unberührter Natur. Hinter den Häusern rauschen die Züge vorbei, der komplette Nah- und Fernverkehr aus dem Süden fährt diese Strecke. Normalerweise wird das durch starken Autoverkehr ergänzt, aber aktuell ist die marode Freihafenelbbrücke gesperrt und deshalb müssen sich die Lkws einen Umweg suchen.
Mein Ziel ist ein viel gepriesenes Hochhaus am Baakenhafen, das überwiegend aus Holz gebaut wurde und deshalb den Namen Roots (Wurzeln) trägt. Es ist 65 Meter hoch und bietet ausschließlich Eigentumswohnungen an. Die waren schnell verkauft, weil das Konzept der Nachhaltigkeit ganz offensichtlich überzeugte. Der Wohnturm hat 19 Geschosse und wird von einem 7‑geschossigen Flügel seitlich ergänzt. Der hat dunkleres Fassadenholz und die geschlossene Glashülle fehlt. Oder sind das Kunststoffscheiben, die den Turm rundherum abdecken? Man kann es an vielen Balkonen in der HafenCity sehen und es ist eine praktische Lösung. Wenn der Wind zu stark bläst, was häufig passiert, schließt man die Scheiben und genießt die Gemütlichkeit eines Wintergartens. Der Nachteil ist die Optik, und das fiel mir besonders beim Roots-Haus auf.
Mag sein, dass die Wohnungen gut geschnitten sind und tolle Details haben. Das Haus als Ganzes ist aber ziemlich langweilig. Ein hoch aufragender Quader, ohne Fassadendetails oder irgendeine gestalterische Überraschung. Und dazu dann eben auch noch die halbtransparente Hülle, die das Gebäude immer aussehen lässt, als hätte man den eigenen Fokus gerade falsch eingestellt. Nach ein paar Fotos glaubte ich, alles entdeckt zu haben, und wollte schon nach Hause gehen. Dann stellte sich aber doch noch eine Überraschung ein. Die fand ich auf der Eingangsebene, denn dort ist die ‚Botschaft der Tiere‘ eingezogen. Sie hatten geöffnet und ich nutzte die Gelegenheit. Meine Erwartungen waren nicht allzu hochgeschraubt, aber ich irrte mich. Der Rundgang war voller Freude. Ich entdeckte tolle Tierporträts, überraschende Geschichten und manch wunderbar humorvolle Szene. Darunter einen Esstisch mit drei Gästen. Sie studierten die Menükarten und ich schaute ihnen über die Schulter. Die Gesellschaft bestand aus Wolf, Wildschwein und Reh. Ich durfte sie alle fotografieren und werde sie im nächsten Beitrag präsentieren. Diese ‚Botschaft der Tiere‘ hat unbedingt einen eigenen Beitrag verdient. Also bis bald.
Und dann wird es doch noch spannend:












