Hadag Fähren

Mit der Fähre zum HVV Tarif im Hamburger Hafen unterwegs. Früher ein Geheimtipp, heute steht es in jedem Reiseführer.  So preisgünstig kommt man nur mit den HADAG Schiffen über die Elbe. Die Linie 62 gilt als alternative Hafenrundfahrt. Im Sommer und immer wenn die Sonne scheint, ist das Oberdeck dieser Fähre bis auf den letzten Platz besetzt. Sie startet an den Landungsbrücken und ihr Ziel ist Finkenwerder. Dort kann man umsteigen und bis Blankenese weiter schippern. Bei Touristen sehr beliebt und für ein erstes Kennenlernen mit dem Hafen vielleicht ein guter Einstieg. Die professionellen Hafenrundfahrten sind deutlich teurer, bieten aber auch eine informative Moderation, auf Wunsch Getränke und auf jeden Fall spektakuläre Foto-Motive. Sie kommen den ganz großen Pötten so nahe wie kein anderes Schiff.

 

 

Mein Favorit unter allen HADAG Fähren ist die Linie 72. Sie hat die kürzeste Fahrzeit, läuft nämlich nur zwei Anleger an und ist dann schon wieder am Ausgangspunkt. Den ganzen Tag lang fahren die Schiffe von der Elbphilharmonie zu den Landungsbrücken. Eine Strecke von gerade mal einem Kilometer Länge. Auf der Rückfahrt macht das Schiff einen Schlenker über die Elbe zum Anlieger Arningstrasse und kehrt dann gleich wieder zur Elphi zurück. Wozu dient die Fähre? Nun, die Leute, die auf dem Grasbrook arbeiten (Shell Schmierstoffe und Hywax (Paraffin etc.)) ist es eine willkommene Abkürzung zum Arbeitsplatz, aber ansonsten? Ich denke, dass mit Fertigstellung der Elbphilharmonie auch der Anleger gebaut wurde und eine maritime Verbindung für Besucher und Touristen sein sollte. Ich nutze ihn ziemlich genau aus diesem Grund, denn zu Fuß bräuchte ich nicht sehr viel mehr Zeit. 

Meistens sind die Schiffe nur mäßig gefüllt, so auch vor wenigen Tagen. Eine junge Mutter mit Kleinkind und ich waren die einzigen Passagiere. An Bord ein Schiffsführer, der oben im Steuerhaus sitzt. Von dort kann er alles übersehen und regeln. Die Türen und sogar der Steg zum bequemen Ein- und Aussteigen bewegen sich automatisch per Knopfdruck. Das Anlegen geht butterweich dank des präzis arbeitenden Antriebspropellers. Ein Vertäuen ist nicht mehr nötig, das Schiff wird mit Magneten festgehalten.

Ich will eine Hafenrundfahrt machen und hätte nicht besser ankommen können. Die HADAG Fähre hält direkt hinter dem Touristenschiff. Mit wenigen Schritten wechsel ich die Schiffe. Theoretisch hätte ich auch an Bord bleiben können und weiter Runden mitfahren können. Immer von hier bis zur Elphi im 9-Minuten-Takt. Weil (fast) niemand außer mir an Bord ist, setze ich mich in die erste Reihe. Vor mir die große Glasscheibe, ein kurzes Stück Boot und dann das Wasser. Bestimmt ein toller Ausblick. Meine Erwartung werden erfüllt und eine Überraschung gibt es dazu. 

Da vorn, in der ersten Reihe, hat man nicht nur einen prima Blick aufs Wasser, nein, man fühlt sich fast als wäre man die Kapitänin. Da ist nämlich mit viel Liebe zum Detail das Cockpit nachgezeichnet worden. Auf Bildschirmen erkenne ich Kurs und Horizont, Lage des Schiffs im Wasser und andere Details. Wie spannend ist das denn? Es gibt sogar zwei Pedale. Wofür? Gas und Bremse? Schade, aber die Zeit ist um. Ich muss aussteigen. Es wird nicht lange dauern, bis ich die 72 erneut nutze, denn sie bringt mich quasi nach Hause. Dann setzte ich mich wieder ganz vorne hin und schaue mir die Sache noch einmal ganz genau an. Ahoi.