Intelligent Quarters

Übersetzt man es wörtlich, dann heißt das: „Intelligentes Wohnviertel“. Ich finde weder den englischen Ausdruck, noch die deutsche Übersetzung besonders spannend. Jedenfalls nicht so interessant, dass ich sofort loslaufe, um mir den Ort und die Gebäude anzusehen. Da ich aber quasi gegenüber wohne, war es dann doch mal Zeit, etwas tiefer zu graben. Es geht heute um drei Gebäude, die eng zusammenstehen und gleich am Anfang des Elbtorquartier zu finden sind. Genauer gesagt unmittelbar an der Einfahrt zum Magdeburger Hafen.

 

 

Die drei Gebäude, die das Intelligent Quarters bilden, bestehen aus zwei Büro- und einem Wohnhaus mit Eigentumswohnungen. Nach drei Jahren Bauzeit wurden sie 2018 fertiggestellt. Die Baustelle war tricky, denn unter dem Wohnhaus fährt die U4 in fünfzehn Meter Tiefe hindurch. Das würde zu Lärm und Erschütterungen führen, aber mit diesem Problem kämpfte schon die Elbphilharmonie. Und so wie es dort gelöst wurde, machte man es auch in den Intelligent Quarters. Eine doppelte Bodenplatte, mit Federn verbunden, trennt das Haus akustisch und entkoppelt es mechanisch vom Untergrund. Wenn die Züge jetzt unten durchfahren, klappert kein Geschirr im Schrank. Alle sind glücklich.

Die drei Häuser wurden architektonisch ganz unterschiedlich konzipiert. Mir war bisher nicht in den Sinn gekommen, dass sie eine Einheit bilden. Es gibt aber eine Gemeinsamkeit, die sehr wohl auffällt, nämlich die Fassade. Sie ist schneeweiß und glänzt in der Sonne. Manchmal sieht sie wie aus Porzellan gefertigt aus, und das ist eigentlich auch richtig, denn man wählte weiß glasierte Keramikelemente für die äußere Hülle. Ein teures, elegantes Material, das Langlebigkeit ohne hohen Aufwand verspricht. Die Fassade soll sich im Regen von allein säubern und ihren Glanz behalten. Damit kann man punkten, denn der Luxus-Tower ‚Marco Polo‘, den ich vor ein paar Tagen vorstellte, leidet unter deutlich sichtbaren Schmutzspuren. 

 

 

Die Hamburger Architekten Störmer, Murphy & Partner haben die Häuser entworfen und gebaut. Jan Störmer hat sich zu der Farbwahl geäußert und ich mag seine Aussage und schließe mich gerne an: „Ich schätze Schumachers rotes Erbe, das überall in der Stadt zu erkennen ist. Aber wenn Sie mich fragen, ist Hamburg, besonders das Hamburg der Zukunft, eine weiße Stadt. Wenn ich an Maritimes denke, kommt mir als Erstes Weiß in den Sinn – die Farbe der Kreuzfahrtschiffe, der Möwen, der Kapitänshemden.“

Wenn das Ensemble schon so einen exotischen Namen bekommen hat, dann lag es auf der Hand, den einzelnen Gebäuden ebenfalls einen griffigen Namen zu geben. Sie heißen: Freeport (Wohngebäude mit 46 Eigentumswohnungen), Shipyard (7-geschossiges Bürogebäude) und Watermarks (Büroturm mit 18 Geschossen und schicker Dachterrrasse).

Wieder hat man die englische Sprache ein wenig strapaziert, denn Watermarks bedeutet Wasserzeichen, aber nicht als Landmarke gedacht, sondern als Sicherheitssiegel auf dem Papierblatt. Macht nix, wir ahnen, wie es gemeint ist. Ein Zeichen oder gar ein Leuchtturm ist das Haus auf jeden Fall. Immerhin 70 Meter hoch, was für Hamburger Bauverhältnisse mal wieder einen Rekord bedeutet hat. Jedenfalls in der Kategorie Bürohaus. 

 

 

Das Architektenteam ist übrigens auch für das Holzhaus ‚Roots‘ verantwortlich, das einige hundert Meter entfernt ebenfalls am Wasser (Baakenhafen) steht. Auch das ist ein ganz außergewöhnliches Haus und ich werde es demnächst besuchen, weil ich einen guten Blogbeitrag wittere. Das Elbtorquartier ist wohl das letzte, das fertiggestellt wird. Ganz im Osten, dort, wo der Elbtower hoffentlich bald anwachsen wird, sind noch einige Rohbauten. Aber es wird, es wächst zusammen und vor allem zieht die Gastronomie nach. Am Baakenhafen, wo der Versmannkai entlangläuft, stehen in diesem Frühjahr schon viel mehr Stühle und Tische am Wasser. Sie sind gut besucht, was hoffen lässt, dass die Besitzer bleiben werden.

Wenn Sie die nächste Hafenrundfahrt machen, kommen Sie auch am Intelligent Quarters entlang. Die Schiffe fahren inzwischen regelmäßig weiter die Elbe hoch, um die neue Stadtsilhouette von der Wasserseite zu zeigen. Und dann stellt man fest, dass Hamburg sich tatsächlich zu einer „weissen Stadt“ mausert und ihr die Farbe ausgesprochen gut steht. Das traditionelle Rot darf gerne bleiben, es harmoniert gut. Schließlich haben wir die beiden Farben im Stadtwappen und deshalb müssen wir darüber gar nicht länger nachdenken.  – Und weil das Wetter so schön war, habe ich auch noch ein Video aufgenommen.