Erstmals fällt es mir schwer, meinen Blogbeitrag zu schreiben. Ich habe schon ein paar Anläufe genommen, bin dann aber jedes Mal zurückgewichen und habe versucht einen anderen Weg zu finden. Der Grund ist, dass ich über ein Schiff schreiben will, dem ich nicht viel Gutes abgewinnen kann. Normalerweise halte ich dann einfach den Mund, verkneife mir den Post. Aber in diesem Fall muss es heraus, auch wenn es unfair ist. Ich weiß, dass ich jemanden kritisieren, der sich nicht wehren kann. Jedenfalls nicht sofort, sollte ich eine Reaktion erhalten, wird die natürlich nachträglich hier eingefügt. Zusätzlich stellt sich bei mir auch noch ein schlechtes Gewissen ein, denn ich wurde an Bord außerordentlich herzlich begrüßt und großzügig bewirtet. Ende des Vorworts und hinein in die ganze Story.
Heute geht es um das Kreuzfahrtschiff MS Hamburg. Es gehört zu den ersten Gästen am Cruise Terminal HafenCity und kehrt regelmäßig zurück. Das Schiff ist eher klein (Länge 144 Meter) und etwas betagt. Es wurde 1997 in Dienst gestellt und fuhr anfangs unter dem Namen ‚Columbus‘ als Hapag-Lloyd Kreuzfahrtschiff. Im Jahr 2012 übernahm Plantours das Schiff und taufte es auf den Namen ‚Hamburg‘. Vor fünf Jahren wurde es aufwendig renoviert.

Aus dem scheinbaren Nachteil, nämlich der fehlenden Größe, machte man einen Vorteil. An Bord dieses Schiffes trifft man auf max. 400 Passagiere und die angebotenen Routen sind einmalig. Kein anderes deutsches Kreuzfahrtschiff kann auf den Großen Seen in Nordamerika kreuzen. Und niemand bringt die Passagiere von Hamburg nach London über die Themse, mit Durchfahrt unter der Tower Bridge. Anschließend ankert man zwei Tage in Sichtweite des Tower und kann die Stadt nach Herzenslust erkunden. Das Angebot hatte mich gereizt, einer meiner Träume würde sich erfüllen. Allerdings ein teurer Wunsch, denn um die fünftausend Euro wären fällig. Selbst eine Innenkabine würde den Preis nicht wesentlich reduzieren. Wie gut, dass ich ausgerechnet auf diesem Schiff eine Besichtigung machen konnte. Das habe ich natürlich gebucht und konnte mir nicht nur diverse Kabinen anschauen, sondern wurde auch noch zu einem sehr üppigen und leckeren Mittagsessen eingeladen.
Es war für mich der erste Besuch im neuen Cruise Center HafenCity. Das sieht nicht anders aus als der große Bruder in Steinwerder, ist aber deutlich einfacher zu erreichen. Die meisten kamen mit der U-Bahn, ich ging zu Fuß, weil meine Wohnung keine fünf Minuten entfernt liegt. Obwohl wir nur für wenige Stunden an Bord bleiben würden, wurden wir einem normalen Sicherheitscheck unterzogen. Der war deutlich gründlicher, als ich es jemals am Hamburger Flughafen erlebt hatte. Alles musste ausgezogen und präsentiert werden: Uhr, Gürtel, Jacke, Smartphone, Inhalt der Hosentaschen … Zum Glück durfte ich die Schuhe anbehalten. Danach ging es dann an Bord.
Wir wurden herzlichst begrüßt, durften in der Lounge Platz nehmen und erhielten sofort einen Begrüßungsdrink. Sobald das Glas leer war, kam auch schon jemand mit der Flasche zum Nachschenken herbeigeeilt. Für uns, ich war in netter Begleitung, war es noch etwas zu früh. Wir wechselten deshalb vom Sekt zum Orangensaft. Nach der offiziellen Begrüßung konnten wir uns frei an Bord bewegen. Kabinen aller Preisklassen standen zur Besichtigung offen. Jeder von uns hatte einen Decksplan bekommen und zusätzlich hingen Luftballons an den Kabinentüren. Zum Abschluss waren wir im Restaurant versammelt, wo uns ein Mittagessen erwartete. Die Tische waren elegant eingedeckt, das Essen war vorzüglich und auch hier wurden die Getränke großzügig nachgeschenkt. Das war überraschend gut und zeigte uns eine zweite ‚Geheimwaffe‘ der kleinen MS Hamburg. Dort soll nämlich der Service besonders gut und persönlich sein. Das glaube ich sofort, nachdem ich es erlebt habe, muss allerdings sagen, dass ich mich auf der viel größeren AIDAnova auch extrem verwöhnt gefühlt hatte.
Und warum nun die Entschuldigung im Vorwort? Nun, das Schiff selbst gefiel mir gar nicht. Die Kabinen sind klein und merkwürdig altmodisch eingerichtet. Es gibt kaum Kabinen mit Balkon und selbst die Suiten sind beengt und unkomfortabel. Ich will es gar nicht beschreiben, sondern zeige es lieber in den Fotos. Natürlich haben wir alle unseren eigenen Geschmack und man erwartet wohl eher ein älteres Publikum an Bord, aber für mich geht es gar nicht. Ich würde mich dort nicht wohlfühlen. Um so dankbarer bin ich der Reederei für die Einladung zu einer Besichtigung. Angesichts des hohen Reisepreises hätte mir eine Fehlbuchung ziemlich weh getan. Eine Frage bleibt offen: Wie komme ich bequem nach London? Kennt jemand die Antwort?
Eines muss ich noch loswerden, nämlich einen herzlichen Dank an die Crew. Man hat mir ohne Einschränkung das Fotografieren erlaubt und das fand ich sehr großzügig. Vielleicht gehöre ich nicht der Zielgruppe an, die man sich an Bord wünscht. Mir gefiel es nicht, aber das ist mein höchst subjektiver Eindruck. Bisher war lediglich einmal an Bord der AIDA und dort habe ich mich sehr wohlgefühlt. Ich weiß aber auch, dass viele meiner Nachbarn diese Einschätzung gar nicht teilen können. Und das ist gut so, denn dann können vielleicht alle Kreuzfahrtschiffe, egal ob groß oder klein, extra modern oder konservativ gediegen, ihr Publikum finden. Genießt die Reise, kommt gesund zurück und habt Spaß.























