Photo goes Video

Im Winter kommt die Langeweile häufiger vorbei als in den warmen und sonnigen Monaten. Kein Wunder, denn eigentlich dreht sich bei mir alles um das Fotografieren. Ich möchte mir ein Bild machen, es mit nach Hause nehmen und muss dafür erst einmal nach draußen gehen. So ungefähr funktioniert meine Motivationslogik. Jeden Tag dasselbe zu fotografieren, ist langweilig, passiert aber nicht, weil der Hafen lebendig ist. Trotzdem kommt auch er im Winter zur Erstarrung, besonders wenn es bitterkalt ist. Sobald die Elbe vereist, bleiben die Schiffe am Kai. 

Das nasskalte Wetter zwingt zu dicker Kleidung, Mütze und natürlich Handschuhen. Die werden beim Fotografieren hinderlich. Die Kamera rutscht aus den Händen und die kleinen Bedienungsknöpfe lassen sich nicht mehr ertasten. Der Kamera-Akku nimmt die Kälte auch nur ’säuerlich‘ auf, und wenn meine Füße erst einmal kalt werden, dann ist der Spaß endgültig vorbei. Schon gehe ich wieder nach Hause, wo die Langeweile, gemütlich im Sessel sitzend, auf mich wartet. 

Heute kam dann alles ganz anders. Ohne Ankündigung, ganz unerwartet. Vormittags kam mir in den Sinn, einen kurzen Spaziergang an der Elbe zu machen. Kurz später stand ich am Wasser und schaute den Enten zu, die die Eisschollen zu ihrem neuen schwimmenden Zuhause gemacht hatten. Kamera raus, Foto machen. Aber halt, es kam anders. Aus heiterem Himmel entschloss ich mich, nicht auf den Auslöser zu drücken. Stattdessen bediente ich das kleine rote Knöpfchen daneben, und schon startete die Videoaufnahme. Neue Technik, neue Herausforderung. Wie lange sollte man eine Sequenz gestalten? Wie hält man die Kamera still? Soll ich womöglich kommentieren?

Bilder aus meinem Video:

 

Zum Schluss hatte ich sage und schreibe vierzig kurze Film-Schnipsel, die jetzt irgendwie zusammengefügt ein sinnvolles Video ergeben sollten. Einiges konnte ich gleich löschen, andere Sequenzen wurden in der Reihenfolge vertauscht. Ich kürzte die Szenen, teilte, schnitt ab und fügte neu zusammen. Schließlich bekamen meine Snippets elegantere Übergänge und ich baute sogar noch einen Titel an den Anfang. Es dauerte Stunden, ich war voll im Flow und die Langeweile hatte sich längst verabschiedet.

Mein erster Versuch mit einem Videoprogramm ging gar nicht so schlecht. Ich brachte einen kleinen Film zustande, veröffentlichte ihn auf YouTube und lehnte mich zufrieden zurück. Die Speicher-Chipkarte konnte wieder in die Kamera, wo ich sie wie immer sofort formatierte. Dann der große Schreck. Ich hatte vergessen, die Daten zu kopieren. Alles futsch, nur der erste Versuch meines Videos existierte noch. So was passiert, man lernt und macht es nächstes Mal, also morgen, besser.

Ab sofort wird BluePeter also nicht nur auf Instagram aktiv sein, sondern sogar auf YouTube. Drückt mir mal die Daumen, dass ich alles in den Griff bekomme. Noch ist mir YouTube fremd, noch sind meine Kontoeinstellungen nicht optimiert. Und das Bearbeitungsprogramm für die Videos muss ich mir auch noch erarbeiten. Aber eins passiert mir bestimmt nicht noch einmal: Meine Videos werde ich künftig vor dem Löschen auf eine Festplatte kopieren. Zum Glück ist eine Version erhalten geblieben und die kann man sich hier auf YouTube ansehen.