Donnerstag, 21:38 Uhr. Ich sitze im Sessel und lasse mich von Instagram unterhalten. Auf einmal laute Explosionen. Bumm, Peng, Tschingggg! Ein Feuerwerk, kommt vor, denke ich mir, mancher glaubt am eigenen Geburtstag wäre das erlaubt. Aber diese Show sprengt alle Erwartungen. Es kracht und knallt und die Raketen zischen in den Himmel. Warum? Was feiert man? Probelauf für die Silvesterparty oder doch ein privates Ereignis? Hurra, prost Neujahr, es ist ein Junge!
Das Spektakel dauert einige Minuten. Als alles abgebrannt und verschossen ist, dringt lautes Hupen von der Elbe in die HafenCity. Also doch, eine Schiffsbegrüßung, hatte ich fast schon vermutet. Es muss die Queen Elizabeth II sein, zurück von einer Weltreise. Mist, ich habe es nicht gewusst, aber jetzt will ich Klarheit haben. Die Hafenradar-App hilft. Tatsächlich hat ein großes Schiff gerade das Westfield Center passiert. Es ist die ‚Elise‘. Komischer Name für einen Cruiser, denke ich mir, und lese in den Detail-Angaben nach: Schwergut-Frachter, mittelgroß. Das kann nicht sein, der wird doch nicht wie ein Weltstar begrüßt. Wahrscheinlich war der Kapitän vom Feuerwerk überrascht, dachte, es gelte ihm, und drückte dann selbst auf die Hupe. So gehört es sich, egal unter welchen Umständen.
Komisch, kaum zu glauben und vielleicht ganz falsch gedacht. Vielleicht war es wirklich das Silvesterfeuerwerk und jemand hat versehentlich den Knopf gedrückt? Oder wenigstens eine Probe, wenn auch eine kostspielige. Für ein Versehen spricht vor allem die Uhrzeit. Niemand startet um kurz nach halb zehn die Show.
Am nächsten Morgen liegt ‚Elise‘ noch immer ganz in der Nähe. Auch das ist ungewöhnlich, denn sie hat am alten Kreuzfahrtterminal am Baakenhöft festgemacht. Seit wann liegen dort Frachter? Ich will es genau wissen, marschiere also los. Der Morgen begann sehr neblig und am Wasser wabern noch immer dicke Schwaden über die Elbe. Erst als ich am alten Terminal ankomme, erkenne ich etwas, das wie ein Schiff aussieht. Erst nur Umrisse. Alles ist hellgrau, der Nebel, das Schiff und die Aufbauten. Die sehen merkwürdig aus. Sie sind rund und sehr lang. Ich glaube eher ein gigantisches U-Boot vor mir zu sehen, als einen Frachter. Einzig die beiden bordeigenen Kräne, stellen die U-Boot-Theorie auf wackelige Beine. Aber vielleicht ist es einfach ein gestrandeter Außerirdischer?
Da liegt also ein Schiff an einem ganz falschen Anleger und dann wurden auch noch Partyzelte aufgebaut und ein Catering-LKW bestellt. Es werden Gäste erwartet, man hat Speise und Getränke parat und legt viel Wert auf Sicherheit. Deshalb das Kreuzfahrt-Terminal, dort kommt niemand unkontrolliert rein.
Wieder Zuhause habe ich genug Informationen, um zu recherchieren. Also die ‚Elise‘ ist ein nagelneues Schiff, das tatsächlich gestern mit dem Feuerwerk getauft wurde. Eigentlich sollte das schon am frühen Abend stattfinden, aber man hatte fast vier Stunden Verspätung. Was hätte man gemacht, wenn sie erst um Mitternacht eingetroffen wäre? ‚Elise‘ ist ein Spezialschiff für extrem schwere und große Last. Beispielsweise für Offshore-Windkrafträder. Solche hatte sie wohl auch an Bord. Ich hoffe, die Ladung wird wieder mitgenommen. Oder pflanzt man so ein Ding jetzt in die Elbe, als Ersatz für den Elbtower? Die Höhe würde wohl stimmen. Wie auch immer, es war eine gelungene Überraschung. Wünschen wir ‚Elise‘ allzeit gute Fahrt und immer einen Handbreit Wasser unter dem Kiel.
















