Die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm und ein Schiff hat am Kai festgemacht. Was will man mehr? Der geplante Spaziergang kann beginnen. Wir müssen nicht weit gehen, denn das Kreuzfahrtterminal liegt im Herzen der HafenCity und dort wohnen wir auch, meine Begleiterin und ich. Wenn ich mich richtig erinnere, sollte am Ostertag das erste Schiff dort anlegen. Es klappte nicht, wurde aber mit wenigen Tagen Verspätung nachgeholt. Seitdem kommen die Schiffe regelmäßig hier an, vor allem die kleinen, aber feinen Cruiser ‚Hamburg‘ und ‚Europa‘. Sie sind 150 bzw. 200 Meter lang, gehören also nicht zu den ganz großen, was den Vorteil hat, dass sie Flüsse wie die Themse befahren können und dann auch noch die Tower Bridge passieren. Da wäre ich gerne einmal an Bord. Vielleicht erfüllt sich mein Wunsch?
Uns lockt ein anderer Besucher, nämlich ein Schiff der TUI Linie. Sie schickten erstmals die ‚Mein Schiff 1‘ in die HafenCity. Das ist ein anderes Kaliber, die Länge beträgt 315 Meter und das wollen wir uns mal ansehen.
Von der öffentlich zugänglichen Terrasse des Cruise Centers haben wir freien Blick auf den Kreuzfahrer. Er kam schon am frühen Morgen und für viele Gäste war hier Endstation. Jetzt, nachmittags, steigen neue Passagiere ein. Die wenigen Stunden dazwischen müssen reichen, um unzählige Betten neu zu beziehen und sauberzumachen. Natürlich auch in der Küche, die frische Lebensmittel benötigt. Bierfässer und Weinkisten stapeln sich an der Kaikante. Große Mengen von Kartoffeln werden per LKW gebracht, dazu erstaunlich viele Karotten. Der Koch wird wissen, wozu er sie verwenden will.
Es ist deutlich mehr los als üblich. Kein Wunder, denn der Anblick des Schiffes ist überwältigend. Viele Besucher des Westfield Centers haben vielleicht nur zufällig das Heck oder den Schornstein gesehen und sind dann natürlich näher herangegangen. Um das Schiff in ganzer Länge zu fotografieren, fehlt mir mal wieder der Platz, um den nötigen Abstand zu haben. Ich bin mir aber sicher, dass das später gelingen wird, wenn wir auf der Terrasse am Strandkai einen Kaffee trinken werden.
Wir lassen uns viel Zeit für Kaffee und Kuchen. Der Anblick ist einfach zu schön. Vorne der Kreuzfahrer und dahinter die Elbe, auf der einige Binnenschiffe vorbeiziehen. Drüben am O’swaldkai wird ein Frachter beladen. Mir fällt das Löschboot ‚Prag‘ auf, das in Richtung Elbbrücken unterwegs ist und sein Blaulicht aktiviert hat. Die müssen im Einsatz sein. Etwas später kommt auch noch ein Boot der Wasserschutzpolizei vorbei. Wir machen uns keine Gedanken darüber, denn nicht jeder Einsatz gilt einer Katastrophe. Wir irren, wie wir später merken werden.
Ein wunderbares Erlebnis geht zu Ende. Wir beschließen den Heimweg ein wenig zu verlängern, indem wir noch einmal komplett den Strandkai entlang laufen. Dort werden wir die Elbphilharmonie aus nächster Nähe sehen und im Hintergrund sogar die Landungsbrücken und die vielen kleinen Schiffe, die dort an- und ablegen. Schon bald wird der nächste Kreuzfahrer in der HafenCity erwartet. Wieder ein großes Schiff und das werde ich mir dann auch ganz sicher ansehen.
Von dem Großbrand und den vielen Explosionen haben wir nichts mitbekommen. Das Schiff verdeckte die Sicht. Abends verfolgen wir die Nachrichten und hoffen, dass niemand ernsthaft verletzt wurde. Die Löscharbeiten dauern die ganze Nacht an und am nächsten Morgen, gleich nach dem Aufwachen, nehme ich den Brandgeruch wahr. Gestern hat der Wind die Wolke weggeblasen, aber dann drehte er und nun ist auch die HafenCity betroffen. Eine Erinnerung daran, dass wir in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem sehr, sehr großen Hafen leben. Noch vor drei Jahrzehnten war auch hier, damals noch als ‚Großer Grasbrook‘ bezeichnet, Industrie angesiedelt. Jetzt ist es ein extrem attraktiver Wohnort geworden, der ganz offensichtlich auch den Touristen gefällt.


















