Vorbemerkung: Die Fotos in diesem Beitrag habe ich heute bei schönstem Wetter rund um die Kirche St. Katharinen gemacht. Also in der Altstadt, gleich am Zollkanal. Scheinbar hat mein Text damit gar nichts zu tun, aber das täuscht. Lassen Sie sich überraschen.
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Wer fast täglich spazierengeht, egal ob mit oder ohne Kamera, wird eines Tages von diesem Gedanken eingeholt: „Wo soll ich heute hin? Ich kenne doch schon alles.“ Das ist dann ziemlich ernüchternd und führt direkt in die schlechte Laune. Soll man jetzt umziehen? Erst ein Stück mit dem Auto fahren und dann zu Fuß starten? Oder einfach alles erneut ablaufen, eine Wiederholungsrunde starten, sofort auf Los zurückkehren und noch einmal von vorn beginnen?
Ich jedenfalls habe diesen Moment bisher immer erlebt, egal ob ich in der Natur oder in der Stadt unterwegs war. Und nun meldet sich diese Stimme auch in der HafenCity. Gut, sie kommt spät, erst nach mehreren Jahren, aber sie meldet sich nörgelnd und gleichzeitig fordernd.
Leider traue ich mich nicht aufs Fahrrad, sonst wäre mein Aktionsradius deutlich größer, aber manchmal fahre ich eine Station mit der U-Bahn oder noch besser, gleich mit der Fähre. Bis zu fünf Kilometer kann ich zu Fuß gehen, womit Altona oder die Elbinsel Kalthofe erreichbar sind. Kleine Zwischenfrage: Wie kommt man auf die Insel?
In den vergangenen Tagen kamen viele Kreuzfahrtschiffe in die HafenCity und so konnte ich fast täglich Fotos von ihnen präsentieren. Aber später wird das langweilig, und so kam es, dass ich mich gestern an eine alte und bewährte Strategie erinnerte. Statt einfach loszulaufen, habe ich mir eine Foto-Aufgabe gestellt. Und schon hatte ich heute Morgen die nötige Motivation, um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen.
Meine Aufgabe schien einfach zu sein, denn ich wollte den Vormittag für Fotos von der Katharinenkirche nutzen. Ein kurzer Fußweg und ich war dort. Das Wetter war bestens. Die Örtlichkeit mehr als vertraut. Und genau darin lag das Problem. Ich hatte doch schon etliche Fotos von der Kirche gemacht. Ich hatte sie mir von innen und von außen genau angesehen. Warum also noch mehr Bilder aufnehmen? Warum das Archiv weiter aufblähen? War das reizvoll?
Ja, das war es. Denn ich hatte mir für heute vorgenommen, Fotos zu machen, die anders als die bisherigen aussehen sollten. Also neue Blickwinkel suchen, neue Details erkennen, andere Perspektiven wählen. Eine kleine Zusatzbedingung, die ausreichte, um meinen Fotospaziergang spannend wie am ersten Tag zu machen.
Gut zwei Stunden lang lief ich um St. Katharinen herum. Spähte durch Brückengeländer, suchte interessante Blickachsen und schaute öfter als sonst nach oben, zum Turm und zu der kleinen Figur am Giebel. Ich blieb auch mal stehen und sah mir das Mauerwerk genauer an. Suchte die Spuren der ursprünglichen Wände und die Stellen, an denen das Feuer alles weggefressen hatte. Die Löcher wurden wieder geschlossen, aber die Klinker sind neuer und das kann man noch immer erkennen.
Rund fünfzig Fotos habe ich von der Kirche mitgebracht. Ein Drittel davon wurde sofort aussortiert. Also gelöscht, denn was nicht hundertprozentig gefällt, wird bei mir nicht gespeichert. Der Rest wanderte zu den bereits katalogisierten Fotos der Kirche. Sie haben eine schöne Ergänzung bekommen, fast so, als hätte ein anderer Fotograf diese Bilder aufgenommen.
In den nächsten Tagen mache ich das Gleiche mit der Elbphilharmonie. Kann man sie wirklich noch von einer Seite zeigen, die bisher übersehen wurde? Auf Anhieb fällt mir kein neuer Standort ein. Aber wer weiß, ich bin sehr gespannt. Und bisher habe ich nach diesem Ort auch noch nie Ausschau gehalten. Bevor ich das mache, kehre ich noch einmal zu St. Katharinen zurück. Ich bin nämlich heute Morgen gar nicht dazu gekommen, die Kirche zu betreten. Und wahrscheinlich werde ich im Inneren noch vieles entdecken, das mir bisher nie aufgefallen ist. Prima, dass ich so viel Zeit habe, denn es gibt genug zu tun. Und es wird glücklicherweise nie langweilig.









