Der Hamburger drückt sich gerne kurz aus, macht keine verbalen Umwege. Trifft man sich, sagt man „Moin!“ und beim Abschied heißt es „Tschüss!“. Das soll ja angeblich vom französischen ‚adieu‘ abgeleitet sein, was nicht gerade nahe liegt. Egal, wir nutzen beides, von morgens bis abends. Heute habe ich mich gleich zweimal verabschiedet und das mit größter Aufmerksamkeit.
Der erste Gruß galt dem Winter. Endlich packt er seine Koffer. Er war uns durchaus willkommen und sorgte für viele lustige Spaziergänge im Schnee. Dann aber zog es sich. Er hatte sich festgesetzt und zeigte sich von seiner grimmigen Seite. Dauerfrost, eisiger Wind und spiegelglatte Fußwege wurden zur alltäglichen Herausforderung. Auf der Elbe schwammen große Eisinseln, die die kleineren Boote herausforderten. Manche Schiffswand benötigt wohl bald einen neuen Anstrich.
Die flachen Fleete froren zu. Das Eis lag wie ein Deckel obendrauf, der sich sanft hob, wenn die Flut hineindrückte. Bei Ebbe fiel er dann wieder zurück auf den Grund. Trotz widriger Wetterverhältnisse ging die Arbeit im Hafen wie immer rund um die Uhr voran. Nur die Touristen blieben aus, denn der eisige Wind machte den Aufenthalt im Freien zu einer ungemütlichen Erfahrung. Umso voller waren die Cafés und Restaurants.
Es gab heute noch einen Abschied. Das Kreuzfahrtschiff ‚MSC Poesia‘ legt letztmals in Hamburg an. Immer sonntags war es am Kai der HafenCity zu sehen. Ein beeindruckender Anblick, denn das elegante Schiff ist fast 300 Meter lang. Wir hatten uns an den Gast gewöhnt, haben gleich neben der Bordwand den Glühwein getrunken und das Schiff stets in den Sonntagsspaziergang eingebunden. Nun sagen wir Tschüss und wünschen allzeit gute Fahrt. Heute Abend legt sie ab, fährt noch einmal an der Elphi vorbei, grüßt die winkenden Zuschauer, die auf den Landungsbrücken stehen, und dann geht es elbabwärts Richtung Nordsee. Vorher wird sie wohl der ‚Iona‘ begegnen, die wir morgen in aller Frühe am Cruise Center HafenCity erwarten. Auf den Anblick freue ich mich schon jetzt.
Ob sich der Winter indessen wirklich verabschiedet, ist noch ungewiss. Es gibt Wettervorhersagemodelle, die schon am nächsten Wochenende erneut Dauerfrost prognostizieren. Wie so oft, bin ich ungeduldig. Wir hatten gerade Halbzeit, also die Mitte zwischen Winter- und Frühlingsanfang. Nehmen wir es also, wie es kommt, und solange es nicht glatt ist, machen die Spaziergänge Spaß. Die ‚Poesia‘ legt gleich ab. Sie hat nur noch wenige Passagiere an Bord, die dann in Southampton aussteigen werden. Das Schiff besucht dann erst einmal die Werft, um sich schick zu machen. Danach geht es auf eine weite Reise, quer über den Atlantik. Künftig führen ihre Routen von Alaska bis zur Karibik. Sollte sie jemals wieder nach Europa kommen, dann hoffentlich auch auf einen Besuch im Hamburger Hafen. Have a good trip and travel safely!





















