VIP Besuch

Es war zwar keine Person, die vor wenigen Tagen die HafenCity besuchte, aber ein außergewöhnlich luxuriöser Gast. Insofern darf man ihn als VIP bezeichnen, obwohl es sich in Wahrheit um ein Schiff handelte. Natürlich ein Kreuzfahrer, aber was für einer! Die ‚Seven Seas Voyager‘ lag für einen Tag an der Kaikante des HafenCity Terminals. Unbedingt ein Grund, um mit der Kamera loszuziehen. Dazu noch bestes Wetter, also genau der richtige Background für diesen Superstar.

Das Maß aller (Schiffs-) Dinge ist für mich noch immer die Queen Mary 2, obwohl sie inzwischen etwas betagt ist. Aber das macht in diesem Fall gar nichts, denn beide Schiffe, ‚Queen Mary 2‘ und ‚Seven Seas Voyager‘ sind fast gleich alt. Ihre Indienststellungen fanden 2003 und 2004 statt. Man kann also vergleichen und das muss manchmal sein, um wenigstens ein Gefühl für den Wert und die Qualität zu bekommen. Und damit denke ich vor allem an das Angebot und den Service an Bord. 

Die Betreiber der ‚Seven Seas Voyager‘ behaupten voller Stolz, dass sie das luxuriöseste Schiff von allen anbieten. Das weckt Erwartungen. Eine Besonderheit bieten die Kabinen. Sie liegen ausschließlich außen und haben alle einen privaten Balkon. Auf der ‚Queen Mary 2‘ kann man die Reise auch ohne Tageslicht buchen, was sich natürlich im Preis niederschlägt. Zehn Tage Rundreise bekommt man auf der QM2 schon ab 1.500 Euro. Die SSV bietet eine vergleichbare Fahrt ab 7.000 Euro an. Wer sich dann noch die Suite gönnt, bekommt einen persönlichen Butler zur Verfügung gestellt. Was macht man mit ihm den ganzen langen Tag über?

 

 

Mir fällt noch ein weiterer Vergleich ein, der ziemlich zuverlässig über den Komfort an Bord Auskunft gibt. Nämlich die Anzahl von Mitarbeitern und Gästen. Auf der QM2 können gut 3.000 Passagiere einchecken und sie werden von rund 1.250 Mitarbeitern betreut. Wovon man einen Teil nie zu Gesicht bekommt, denn sie arbeiten im Maschinenraum, auf der Brücke oder in einer der vielen Küchen. Die SSV beschränkt sich auf 450 Gäste und betreut diese mit gut 700 Mitarbeitern. Ein exzellentes Verhältnis, denn das heißt rechnerisch, dass sich ein Mitarbeiter um 1,5 Passagiere kümmern muss. Auf der QM2 sind es schon 2,3 Gäste (bei AIDA 4,4 Reisende).

Genug gerechnet und verglichen. Lassen wir uns lieber vom Bauchgefühl leiten. Der Anblick beider Schiffe ist aufregend. Für ein objektives Urteil bin ich ziemlich ungeeignet, denn den Engländern gehört mein Herz (und meine Seele), aber die Buglinie der QM2 ist einmalig und für immer und ewig das eleganteste Design, das je erdacht wurde. Ihre Schiffshupe bläst auch in einer eigenen Liga und ist jedem akustischen Gegner mühelos überlegen. Der unverwechselbare Klang wurde möglicherweise sogar mit einem Urheberrecht geschützt. Äußerlich sind sie kontrastreich, genau genommen die einzigen beiden Farb-Möglichkeiten, die ein elegantes Schiff zeigen kann. Das eine ist blendend weiß und die Engländerin zeigt einen elegant schwarz angestrichen Rumpf. Auf bunte Dekoration oder einen leuchtend roten Kussmund verzichtet man. Diese laute Art von Reklame benötigt man nicht. Gerne würde ich mitfahren, am liebsten auf beiden Schiffen. Es steht auf meiner 1000-Dollar-Wunschliste und die wird immer länger, weil die Verwirklichung zu kostspielig ist. Macht aber nichts, denn ganz ohne Wünsche und Träume, wäre es auch nicht schön. 

 

 

Aufregende Tage stehen in Hamburg bevor. Die Cruise Days finden statt. Dazu wird der Hafen wieder in blaues Licht getaucht. Die Vorarbeiten sind in vollen Gange. Schaut man genau hin, dann entdeckt man Lampen an vielen Kanten von Gebäuden und Brücken. Ich freue mich wie Bolle und kann es kaum abwarten. Und das Spektakel gibt es ganz umsonst, nicht schlecht. 

 

 

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich die ‚Seven Seas Voyager‘ selbst einmal anzusehen, wird sich leider gedulden müssen. In diesem Jahr wird sie nicht mehr erwartet. Dafür aber die ‚Queen Anne‘, ein Schwesterschiff der ‚Queen Mary 2‘. Eine kleine Schwester und das ist gut so, denn sie hat weniger Tiefgang und kann deshalb an der Kaikante in der HafenCity anlegen. Wenn alles nach Plan läuft, dann wird sie am 19. Dezember Hamburg besuchen. Ist gar nicht mehr so lange hin, denn unter uns gesagt, und auch nur ganz leise: In 113 Tagen / 16 Wochen ist Weihnachten.