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Vor zwei Jahren, fast auf den Tag genau, gab das britische Kreuzfahrtschiff Iona dem Hamburger Hafen einen Korb. Kurzfristig entschied man sich gegen die Fahrt auf der Elbe und legte stattdessen lieber in Bremerhaven an. Gründe wurden nicht genannt, es könnte aber mit den gigantischen Ausmaßen zu tun haben. Die Iona ist fast so groß wie die Queen Mary 2, die allerdings regelmäßig am Terminal in Steinwerder zu Gast ist. Umso überraschender und schöner, dass die Briten nun doch nach Hamburg kommen und das sogar zweimal innerhalb einer Woche. Sie haben sich das Terminal in der HafenCity ausgesucht und das verspricht spannend zu werden. Bis zur letzten Minute habe ich Zweifel, dann aber legt sie tatsächlich hier an.

Sehr erstaunlich, denn die HafenCity bietet zwei Liegeplätze an, einen mit 230 Meter Länge und den anderen mit 345 Meter Länge. Die Iona ist genau 50 Zentimeter kürzer. Noch erstaunlicher ist die Zahl der Passagiere. Am Terminal erwartete man durchschnittlich 2.500 Gäste, der Cruiser kann aber bis zu 5.200 Passagiere mitnehmen. Sicherlich war man zu dieser Jahreszeit nicht ausgebucht und es schien alles gut zu klappen. Allerdings nutzte man erstmals zwei Gangways, damit die Besucher reibungslos von bzw. auf das Schiff gehen konnten. Im Westfield Center wurde den ganzen Tag lang fast nur noch Englisch gesprochen. Einige fragten mich, wie sie auf das Schiff kommen können. Der Eingang zum Terminal ist in der Tat ein wenig versteckt. Aber alle wirkten gut gelaunt und so, als würde es ihnen in Hamburg gefallen. Vermutlich hat die Reederei erkannt, dass die HafenCity interessanter ist als die Kais in Bremerhaven. Jedenfalls nutzten sehr viele Passagiere die Möglichkeit für einen Landgang.

 

 

Gerne hätte ich die Iona schon bei ihrer Ankunft begrüßt, aber ich hatte verschlafen. Vielleicht klappt es nächste Woche. Sie wird am 16. Februar noch einmal vor der HafenCity liegen. Der Anblick ist atemberaubend. Ein Schiff, so groß wie ein riesiger Berg. Und so lang, dass man am Bug stehend kaum bis zum Heck schauen kann. Beide Enden sind mit einem Union Jack verziert. Auch der ist von gewaltiger Größe. Ansonsten hat man einen schlichten, aber eleganten weißen Anstrich gewählt. Da sind jetzt vielleicht ein paar Kratzer mehr zu sehen, denn auf der Elbe schwamm noch immer eine dicke Eisschicht. Aber das Schiff fährt da ohne jedes Problem hindurch. Für die Passagiere war es vielleicht ein willkommendes Extra-Erlebnis auf ihrer Reise.

In der nächsten Woche könnte das Wetter schon ganz anders aussehen. Wärmer, milder, freundlicher. Womöglich mit einem Hauch Frühling in der Luft? Aber auch wenn es ganz anders kommt, werde ich mir das Schiff dann noch einmal ansehen. Das lohnt sich wirklich. Die Iona ist das größte britische Kreuzfahrtschiff und das größte je in Deutschland gebaute. Sie lief 2020 auf der Meyer Werft in Papenburg vom Stapel. Das war Maßarbeit. Mit allen Finessen schaffte man es, den Wasserstand der Ems so weit zu erhöhen, dass sie das Sperrwerk passieren konnte. Die britische Reederei P&O Cruises ist Eigentümerin, der Heimathafen ist Southampton. Der Name wurde per Abstimmung gesucht. Die Briten machten zahlreiche Vorschläge und dann entschied man sich für Iona. Das ist der Name einer kleinen schottischen Insel, die zu den Inneren Hebriden gehört. Dort herrscht ein raues Klima, und doch ist sie schon seit Urzeiten besiedelt. Vielleicht liegt es an der wunderschönen Natur, dazu der Atlantik vor der Haustür. Die Insel galt lange als heilige Stätte und hat einige Grabstellen, in denen Könige ihre letzte Ruhe gefunden haben. Ein uns bekannter Einwohner ist der Sänger Gerry Rafferty (Baker Street). Nach seinem Tod, wurde seine Asche auf der Insel verstreut.

 

 

Wenn Sie also am nächsten Montag Zeit haben, dann kommen Sie doch einfach in die HafenCity. Machen Sie einen Spaziergang entlang der Elbe und bestaunen Sie den Gast aus Großbritannien. Nur an diesem Terminal kann man auf Reichweite an das Schiff herangehen und tolle Bilder vom Bug und den gewaltigen Leinen machen. Neuerdings ist dort ein Schild angebracht: „Vorsicht, die Leinen können reißen.“ Das ist wohl wahr, und sollte es passieren, dann wird es lebensgefährlich. Erstaunlich, dass die Behörde es trotzdem zulässt. Ich genieße einerseits den Anblick von dort, halte aber auch hoffentlich genug Abstand, falls das Undenkbare passieren sollte. Wer kein Risiko eingehen will, findet sichere Plätze, von wo aus das Schiff bestens betrachtet werden kann. Die Kamera sollte man mitnehmen und auf jeden Fall einen Weitwinkel einstecken. Bis nächste Woche, vielleicht sehen wir uns dann?