Zwischenzeit

Der Jahreswechsel steht vor der Tür. Die Weihnachtsgans ist gegessen, der Christbaum abgeschmückt. Vielleicht bislang nicht bei Ihnen, aber hier, in der HafenCity, trennt man sich schnell davon. Dieser Stadtteil ist jung, dynamisch, agil. Man feiert Weihnachten emotional und voller Inbrunst, aber wenn es vorbei ist, dann schaut man sich nach neuen Ereignissen um. Hier ereignet sich zu viel, um Gefühle sentimental in die Länge zu ziehen. Man könnte etwas noch Besseres versäumen. Schon letztes Jahr hatte ich es wohl leise geahnt und die Weihnachtsdekoration vor Silvester eingepackt, und dieses Jahr machte ich es gleich nach dem 2. Weihnachtstag. Es fühlte sich gut und richtig an. Während ich Santa die Batterien abklemmte, wurde unten das ganze Weihnachtsdorf abgebaut. Am Sonntag rückten sie an, bauten Hütte für Hütte ab und waren damit am Nachmittag fertig. Es wurde auch Zeit, denn in drei Tagen feiern wir Silvester. Erstmals mit ZDF live vor der Haustür. Soll ich das nun im TV verfolgen oder einfach vom Balkon aus? 

Vermutlich wird es eine lange, laute und bunte Neujahrsnacht werden. Aber heute begann der Tag ganz leise. Man hatte viel Sonne versprochen, die musste sich aber erst einmal durch den dicken Nebel brennen, der auf der Elbe lag. Die ganze HafenCity war in einen grau-weißen Dunstschleier gehüllt. Es war bitterkalt und der Boden war gefroren. Gleich vor der Haustür hatte sich Glatteis gebildet und fast wäre ich wieder umgekehrt. Das Wetter war aber so vielversprechend, dass ich mich doch auf den Weg machte. Ganz vorsichtig, Schritt für Schritt, immer auf der Suche nach festem Halt unter den Füßen.

 

 

Gestreut wird hier wenig bis gar nicht. Eine besondere Herausforderung ist der Bodenbelag. Er wechselt alle paar Schritte. Um die Flächen optisch aufzulockern, hat man ganz unterschiedliches Material für die Wege und Plätze genutzt. Alle paar Schritte muss man deshalb neu prüfen, wie glatt der Boden tatsächlich ist. Es ging gut und mir half die Erfahrung aus dem letzten Winter. Es gibt nämlich eine Situation, die hundertprozentig zum Sturz führt. Das passiert immer dort, wo Metall im Boden verlegt wurde. Man findet diese Streifen auf den Wegen, an Nahtstellen und mehrfach auf den Brücken, die über die Fleete führen. Inzwischen reagiert mein inneres Radar und warnt mich rechtzeitig. 

Zum Glück ist es windstill, aber die feuchte Kälte kriecht in die Kleidung. Eine warme Mütze ist unverzichtbar und natürlich habe ich auch Handschuhe an. Die Finger werden trotzdem kalt und klamm. Aber es lohnt sich, denn die Stimmung ist ganz wunderbar. Es ist sehr still, ruhig und doch eher eine Art Vorfreude. Auf den Tag oder gleich auf 2026? Das darf wohl jeder selbst für sich entscheiden. 

 

 

Ein lautes Hupen dringt durch den Nebel. Ein großes Schiff läuft ein, grüßt mit seinem Signal. Es könnte aber auch ein Nebelhorn sein, denn auf dem Wasser sieht man seine Hand nicht vor den Augen. Der Hafenradar zeigt alle Schiffe, große und kleine, genau an. Eigentlich sollte das sicher sein, aber Anfang des Jahres gab es den Nebel-Unfall mit der Hadag-Fähre. Eigentlich müsste um diese Zeit die MSC Poesia am Kreuzfahrtterminal in der HafenCity festmachen, aber nicht an diesem Sonntag. Man braucht das Terminal bzw. den Chicagokai für die Silvesterparty. Rund 10.000 Zuschauer dürfen live dabei sein. Was machen sie gegen die Kälte? Tanzen? Trinken? Ganz eng zusammenstehen? Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Zelte, Absperrungen, Technik und gigantische Lautsprecher werden wasserseitig vor dem Westfield Center aufgebaut und hinten, an der anderen Gebäudeseite, demontieren sie das Weihnachtsdorf, reinigen den Platz mit ihren speziellen Fahrzeugen und morgen kann dann der nächste Anbieter seine Zelte aufbauen und irgendwelche Produkte anbieten. Es ist ein ständiges Auf- und Abbauen, Kommen und Gehen, und irgendwie passt es ganz gut zur HafenCity. Denn die wird noch immer vom Wasser geprägt, also von der Elbe, und die hat ihren ganz eigenen Rhythmus. Ebbe und Flut, Fallen und Steigen, Kommen und Gehen.

 

 

Falls wir uns nicht mehr sehen, nutze ich die Gelegenheit, allen meinen Lesern einen guten Start in das neue Jahr zuzurufen. Ich habe mir in mein Tagebuch geschrieben: „Das neue Jahr ist da: Der Kalender leer, die Pläne ehrgeizig, die Realität optimistisch abwartend.“ Euch allen wünsche ich ein heiteres, gesundes und möglichst überraschend gutes neues Jahr!