Geiht nich, givt nich.

Der neue Eröffnungstermin für das Westfield Center steht. Am 17. Oktober soll es nun definitiv losgehen. Aber soll man das glauben? Kann man das nach der Pleite im Frühjahr? Da gab es auch einen Termin, ultimativ, endgültig, unumstößlich. Bis dann zwei Wochen vor dem Start ein Wasserschaden alles zunichtemachte. Von dem hat man danach nie wieder etwas gehört oder gar gesehen, war auch nicht nötig, denn dass es nur eine recht dünne Ausrede war, erkannte jeder, der sich vor Ort umschaute. Das Mega-Center war weitgehend noch im Bau, die Zufahrten fehlten und das ganze Gelände glich einer Baustelle. Inzwischen sieht es dort anders aus. Man hat mächtig aufgeräumt. Die Häuser wuchsen in die Höhe und der provisorische U-Bahnzugang wird auch nicht mehr benötigt. Das digitale Kunstzentrum ‚Port de Lumières‘ scheint startbereit zu sein. Die Büros und Wohnungen wurden von den Baugerüsten befreit und die eigentliche Shopping-Meile wird immer öfter von Transportern besucht, auf denen der Schriftzug ‚Ladenausbau‘ zu lesen ist. 

 

 

Heute habe ich mal nachgesehen, wie weit man inzwischen ist und ich war positiv überrascht. Die Baustelle hat sich inzwischen an die Elbe verlagert, wo im nächsten Jahr die Kreuzfahrer festmachen sollen. Die Arbeiten konzentrieren sich inzwischen auf das Cruise Center. Der Rohbau steht, jetzt arbeitet man vermutlich an dem anspruchsvollen Innenleben. Das Terminal soll sowohl Anlegestelle für die Schiffe sein, als auch Drehkreuz für die Passiere. Von hier kommen sie trockenen Fußes zur U-Bahn, zu den Taxen und Bussen oder ihren eigenen Pkws in der Tiefgarage mit Langzeitstellplatz. Vermutlich geschieht tief im Inneren gerade deutlich mehr, als man von außen wahrnehmen kann. Aber es wird, da bin ich mir sicher.

 

 

Wenn Westfield im Herbst eröffnet und das Cruise Center 2025 nachzieht, ist das Überseequartier endlich fertiggestellt. Es ist das Herzstück der HafenCity und das nicht nur aufgrund seiner zentralen Lage. Der Nordteil ist längst fertig, dort können wir unsere täglichen Einkäufe erledigen. Der Südteil wird die Zugabe, das Sahnehäubchen sein. Dort findet man Luxusmarken, Gourmet-Tempel und Dienstleister, die sich nicht jeder leisten kann. Trotzdem freuen wir uns alle, denn nur Schauen kann ja auch Freude machen. Und für den normalen Geldbeutel ist auch dort Gelegenheit zum Einkauf. Das Angebot ist bunt, ungewöhnlich gut gemischt, wie übrigens auch die Wohnungen in der gesamten HafenCity. Wer glaubt, hier wohnen nur Millionäre, irrt gewaltig. Das Haus mit dem besten Blick auf Elbe, Hafen und Elphi wurde von einer Baugenossenschaft errichtet. Andere Wohnungen wurden mit öffentlichen Fördermitteln gebaut und stehen deshalb nur Mietern zur Verfügung, die ein limitiertes Einkommen haben. Und das Beste an diesem Konzept ist für mich, die gelungene Mischung. Die Top-Eigentumsimmobilie steht nahtlos neben der Sozialwohnung. Da soll es keine Grenzen geben, weder sichtbar noch versteckt in den Köpfen der Bewohner. Es scheint zu funktionieren.

 

Anmerkung: Wenn ich mir die Fotos ansehe, staune ich über den dramatisch schönen Himmel. So etwas kenne ich eigentlich nur aus London. Hat das vielleicht mit dem Fluß Elbe/Themse zu tun? Vielleicht täusche ich mich, aber am Hamburger Stadtrand, wo ich vorher wohnte, waren solche Wolkenfelder selten zu sehen. Hier in der HafenCity gehören sie zum Alltag. 

Eigentlich hätte ich auf dem Rückweg noch schnell beim Möwennest nachgeschaut, wie es den beiden Jungvögeln geht. Aber sie sind nicht mehr da! Schon gestern entdeckte ich das leere Nest. Nun gut, sie dürften knapp vier Wochen alt sein und damit genau im richtigen Alter, um das Nest zu verlassen. Aber wie mag ihr erster Flug geendet haben? Falls sie ‚abgestürzt‘ sind, dann unweigerlich in die Elbe, denn sie wurden auf einem Duckdalben ausgebrütet. Ich tröstete mich damit, dass sie wahrscheinlich ohne jede Übung schwimmen können, aber die Strömung ist stark. Im Nest wurden sie von den Eltern gut bewacht, jetzt müssen sie sich alleine behaupten.

Kurz danach sah ich einen kleinen Vogel am Grasbrookhafen landen. Er kam etwas hart auf, machte eine Rolle vorwärts und stand dann sicher auf den dünnen Beinchen. Keine Frage, das war eine junge Möwe. Vielleicht war es sogar eine von den beiden im Nest? Die Kleinen fallen auf, weil sie noch immer braunes Gefieder haben und weil sie etwas ungelenk fliegen. Statt majestätisch die Thermik zu nutzen, flattern sie wild mit den Flügeln. Das bringt sie nicht wirklich in die Höhe, sondern gibt eher unkontrollierten Vorschub. Bei der Landung sind sie dann viel zu schnell und machen prompt einen Purzelbaum. Aber das macht ihnen nichts aus, denn der butterweiche Körper federt das perfekt ab.

Am Magdeburger Hafen, wo ich heute fotografiert hatte, erlebte ich dann eine schöne Überraschung. Hier flogen etliche Sturmmöwen über das Wasser, zogen ihre Kreise und schienen recht aufgeregt zu sein. Kein Wunder, denn unter ihnen schwamm der Nachwuchs. Der war erst auf den zweiten Blick zu sehen. Das dunkle Gefieder hebt sich kaum vom Wasser ab. Eine richtige kleine Flugschule konnte ich beobachten. Die Alten animierten zum luftigen Abenteuer, passten aber auch auf, dass den tollpatschigen Kleinen niemand zu nahe kam. Der Falke wohnt im Turm der Katharinenkirche, hatte das Spektakel also im Blick. Es wird nur noch wenige Tage dauern, bis die Jungmöwen genauso gut wie die Alten fliegen können. Wenn ihnen ihre Kinderstube gefallen hat, dann werden sie im nächsten Sommer zurückkommen. Sehr wahrscheinlich wird ihr Nachwuchs dann schon das Schauspiel erleben, dass die ‚Queen Elizabeth II‘ oder eines der AIDA Schiffe wenige Meter an ihrem Nest vorbeizieht.