Geschafft! Schnee und Eis sind abgetaut, das Thermometer sinkt nicht mehr in den Minusbereich und warmer Regen hat eingesetzt. Das war ja zu erwarten. Sanfter Nieselregen von morgens bis abends. Da müssen wir durch, ab Wochenmitte soll es sonnig werden. Endlich. Dann kann ich wieder raus, in der Gegend herumlaufen und mit der Kamera einfangen, was mir gefällt. Bis dahin muss ich die Füße stillhalten. Es fehlt eine attraktive Verlockung, um sich draußen aufzuhalten.
Die Lust zum Schreiben ist vorhanden, mir fehlen nur die Bilder und Geschichten. Aber vielleicht lässt sich daraus etwas machen? Ich fange an, mein Fotoarchiv zu durchsuchen. Wie war das in den letzten Jahren? Was habe ich damals im Februar gemacht? Kann ich mich an der eigenen Arbeit motivieren? Als Erstes fällt mir auf, dass es einige Jahre gibt, die völlig fotofrei sind. Weder im Januar noch im Februar war ich unterwegs. Aber es gibt auch andere Jahrgänge. Beispielsweise 2016, ein Ausnahmejahr. Es gehörte nicht zu den wärmsten, aber der Februar war ungewöhnlich mild und sonnig. Schon Ende des Monats hatte ich meinen Balkon hergerichtet und die Frühlingsblumen waren eingetopft.
Zwei Jahre später, 2018, war der Februar bitterkalt. Am 13.02.2018 fotografierte ich ein Fahrrad am eigenen Gartenzaun, weiter mochte ich nicht gehen. Und am 25.02.2018 besuchte ich einige Gänse am Teich. Ansonsten war ich mit der Vorbereitung meiner London-Reise beschäftigt, die mich einen Monat später in deutlich angenehmere Temperaturen führen sollte. Der warme Golfstrom macht sich auf der Insel bemerkbar. Wenn er ausfallen sollte, dann können wir uns warm anziehen.
Mitten in der Coronazeit war ich fast täglich mit der Kamera unterwegs. Egal, wie das Wetter war. Die Isolation fing an, Spuren zu hinterlassen. Aus heutiger Sicht fast nicht vorstellbar, dass wir alle brav gefolgt sind. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Kalt war es im Februar 2021. Frostige Temperaturen, aber auch strahlender Sonnenschein. Ein Bilderbuch-Winterwetter. Bis Mitte Februar war alles im Tiefschlaf und dann, am 22.02.2021, brachen die ersten zarten Blumen durch die Schneedecke und übermittelten einen Hauch von Hoffnung.
Wieder zwei Jahre später habe ich kein einziges Foto unterwegs aufgenommen. Eigentlich war es ein warmer Februar, aber vermutlich grau und verregnet. Ich fing an, Fotoprojekte im Haus zu realisieren. Mein erster Versuch schien einfach: den Fokus exakt setzen. Mit Stativ und gutem Objektiv sollte das machbar sein. Nach etlichen Versuchen merkte ich, wie schwierig es tatsächlich ist. Kein einziges Foto gelang. Die kleinen Figuren habe ich nicht mehr, aber man kann sich mit Alltagsgegenständen aller Art behelfen. Ich sollte die Buntstifte noch einmal auslegen und erneut üben.
Das wärmste Jahr, mit sehr milden Temperaturen in den ersten beiden Monaten, war 2024. Gerade zwei Jahre her und doch schon etwas in Vergessenheit geraten. Damals wohnte ich bereits in der HafenCity und besuchte oft die Großbaustelle ‚Westfield Center‘. Das Foto, das ich am 17.02.2024 aufnahm, überrascht mich heute sehr. Das ganze Gebiet war im Februar 2024 noch eine Großbaustelle. Man hatte die Häuser nicht einzeln hochgezogen, sondern gleich das gesamte Quartier. Ein Jahr später, im April, fand die Eröffnung statt. Über die Architektur mag man streiten, aber die Baustelle, Europas größte, war eine Meisterleistung. Leider nicht ohne tödliche Unfälle, und die sind bis heute nicht vergessen.
Übrigens ist das Gefühl, dass die Winter früher anders waren, nicht verkehrt. Jedenfalls nicht, wenn man schon etwas älter ist. Zwischen 1950 und 1970 hatten wir ungefähr 75 Frosttage pro Jahr. Inzwischen ist die Zahl unter 60 Tage gesunken. Die Sommertemperaturen folgten dem entgegengesetzten Trend. Mich berühren stets der Frühling und der Herbst. Die beiden Jahreszeiten, wenn die Wandlung vom Tod zum Leben und zurück sichtbar wird. Nächste Woche werde ich erste Blumen auf den Balkon stellen und dann dauert es gar nicht mehr lange bis zum Osterfest. Es findet sehr früh statt, nämlich schon am ersten Wochenende im April. Ich freue mich schon jetzt.





















